In Deutschland ist Offshore-Windkraft so bequem nicht zu haben: In der Nordsee zieht sich entlang der Küste das geschützte Wattenmeer, an der Ostsee dulden Touristenorte keine Windmühlen in Sichtweite. Deshalb liegen bisher alle genehmigten deutschen Nordsee-Windparks mindestens 30 Kilometer vor der Küste, wo das Wasser schon bis zu 40 Meter tief ist. Mit solchen Verhältnissen habe die Branche keine Erfahrungen, sagt Giese. „Das hat weltweit noch niemand gemacht.“
Offshore-Windparks sind deshalb ein riskantes Investment. Ein 40 Kilometer langes Kabel zur Küste ist so teuer, dass sich der Windpark nach Überzeugung der Projektentwickler nur mit großen, ergiebigen Anlagen wie der 180 Meter hohen 5M von Repower lohnt. Von diesen Windrädern gibt es bislang aber nur Testversionen. „Offshore-Windenergieanlagen der Multimegawatt-Klasse sind aus heutiger Sicht noch nicht ausreichend technisch erprobt“, sagt Heiko Stohlmeyer von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers.
Mögliche Geldgeber fürchten außerdem die Kinderkrankheiten der neuen Technik. So hat das raue Nordsee-Klima den Anlagen im dänischen Windpark Horns Rev so zugesetzt, dass der Hersteller Vestas 2004 alle 80 Turbinen auswechseln musste. Und jede Großreparatur auf dem Meer droht teuer zu werden: Wenn die Monteure wegen stürmischer See acht Tage lang nicht zu einer kaputten Anlage kommen, koste allein das Warten den Windparkbetreiber schnell über 70 000 Euro, schätzt Franz-Josef Claes, Geschäftsführer der Projektierungsgesellschaft GEO.
Kleinen Unternehmen oder Beteiligungsgesellschaften, die viele Windparks an Land gebaut haben, können aus Claes’ Sicht weder die hohen Investitionen noch das Risiko auf See tragen. So hat der „Offshore-Bürger-Windpark Butendiek zwar fünf Millionen Euro von Privatleuten eingesammelt, um 80 Windkraftanlagen vor Sylt zu planen. Seit September 2005 liegt das Projekt aber auf Eis, weil den Initiatoren die Kosten über den Kopf zu wachsen drohen.
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