Das Thema Energiesparen brennt vielen Unternehmern unter den Nägeln. Immer mehr Hersteller bringen deshalb Intralogistik-Systeme auf den Markt, die Arbeitsschritte zusammenlegen oder freigesetzte Energie auffangen. Besonders Hybridmotoren gewinnen zunehmend an Popularität.
AUGSBURG. 1998 gründeten Martin McVicar und Robert Moffet in der irischen Stadt Monaghan das Unternehmen Combilift Ltd. Die beiden Ingenieure entwickelten und produzierten eine absolute Neuheit: den ersten motorisierten Gabelstapler, der nicht nur geradeaus fahren kann, sondern auch seitwärts.
Der Combilift ist ein Allrounder in Sachen Transport. Er fährt innen und im Freien, schleppt lange Transportstücke und passt durch einen zwei Meter breiten Gang, indem er sich auf die Seite dreht. "Mit einer solchen Kombination aus Front-, Seit- und Vierwegestapler brauchen Unternehmen für mehrere Arbeitsschritte nur noch ein einziges Gerät", sagt Ilya Morich, Verkaufsleiter von Combilift in Deutschland. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Zumal der Stapler mittels Drehstromtechnik beim Bremsen Energie zurückgewinnt.
Immer mehr Hersteller bringen Intralogistik-Systeme auf den Markt, die Arbeitsschritte zusammenlegen oder freigesetzte Energie auffangen. Gut für Unternehmer, die bei den Betriebskosten sparen wollen: "Kaum eine Branche birgt so viel Einspar- und Rationalisierungspotenzial wie die Intralogistik", bestätigt Katrin Oswald vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML).
Das Thema Energiesparen brennt vielen Unternehmern unter den Nägeln. Die Preise für Strom und Diesel sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Und Energie hat deshalb einen immer größeren Anteil an den Kosten von Industrieund Handelsunternehmen.
Das Sparpotenzial ist groß: Nach Zahlen des Zentralverbands Elektrotechnikund Elektronikindustrie (ZVEI) können Unternehmen mit modernen Antrieben bei Logistiksystemen sowie mit energieeffizienter Technik bis zu 30 Prozent des Stroms sparen.
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"Wer sich einen elektrischen Stapler zulegt, sollte unbedingt Modelle mit Doppelschicht-Kondensatoren wählen", rät IML-Expertin Oswald. Die etablierten Blei-Akkumulatoren seien zwar günstiger, hätten aber durch ihr hohes Gewicht und den geringen Wirkungsgrad erhebliche Nachteile bei der Energieeffizienz.
Eine Alternative zu reinen Elektroantrieben sind Modelle mit Hybridmotoren. Solche Stapler stellt zum Beispiel die Still GmbH in Hamburg her. Das Unternehmen brachte 2006 den ersten Hybridstapler der Welt auf den Markt. Das Besondere an den Still-Motoren: Doppelschicht-Kondensatoren speichern beim Bremsen die Energie, die durch die Verbrennung des Dieselbenzins freigesetzt wurde Sie wird dann für den Elektro-Antrieb des Gabelstaplers verwendet, der den Dieselantrieb ergänzt. Im Februar gewann das Unternehmen mit dem Hybridstapler mit integriertem Energiespeicher den Umweltpreis der britischen Gabelstaplervereinigung (FLTA).
Preise errang man auch in Pirmasens bei der PSB GmbH. Für ein Regalbediengerät mit einem Modul zur Energierückgewinnung erhielt das Familienunternehmen dieses Jahr in Paris den Innovationspreis der Logistikmesse Manutention. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pufferbatterie, die überschüssige Energie nur auffängt und speichert, führt das PSB-Modul sie sofort in das hauseigene Stromnetz zurück. Die so gewonnene Energie betreibt dann andere Geräte, die am allgemeinen Stromkreislauf hängen. Zu Versorgungslücken kann es so nicht kommen.
"Diese Technik ist bei uns mittlerweile Standard", sagt PSB-Geschäftsführer Werner Klein. Regalbediengeräte ohne Energiespeicher verkaufe er nicht mehr. Leider sei die Nachfrage von Kundenseite noch sehr verhalten, klagt der PSB-Geschäftsführer. Viele Kunden setzten noch auf herkömmliche Technik. Klein ist dennoch von der wachsenden Bedeutung neuartiger Stromspartechniken überzeugt. Die steigenden Energiepreise geben ihm recht. Mit der PSB-Lösung für Regallogistik könne ein Unternehmen bis zu 30 Prozent Energie einsparen, rechnet der Geschäftsführer vor.
Christoph Hahn-Woernle ist weniger optimistisch. Überschüssige Energie aufzufangen sei zwar ein erster Schritt in Richtung Energiewirtschaft, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Stuttgarter Viastore Systems GmbH. Energiesparende Regalbediengeräte allein reichten in Zeiten steigender Strompreise aber nicht mehr aus, prophezeit der Unternehmer. Die Zukunft gehöre vielmehr energieeffizienten Distributionszentren und straffer Prozessplanung. "Die Intralogistik hat in Sachen Energie die Schlüssel in der Hand, sie muss sie nur benutzen."
