„Und man braucht diese riesigen Übertragungsnetze nicht mehr“, sagt Feddern. In einigen Jahren sollen virtuelle Kraftwerke auch die Stromnachfrage steuern können: In solchen Visionen schaltet sich die Waschmaschine erst ein, wenn gerade mehr Strom da ist, als gebraucht wird, und er deshalb gerade besonders billig ist.
Für Windpark-Betreiber sind virtuelle Kraftwerke ebenfalls eine Option. Wenn sie es schaffen, selbst eins aufzubauen, können sie in bescheidenem Umfang „Regelenergie“ für die Netzbetreiber liefern. „Ob die aus Kohle, aus Kernkraft oder aus Windenergie kommt, ist uns schnuppe“, sagt Eon-Netz-Sprecherin Anja Chales de Beaulieu. „Ein virtuelles Kraftwerk ist für uns interessant, in dem es Regelenergie anbietet.“ Dazu muss der Windpark-Betreiber ein „Prä-Qualifikations-Verfahren“ der Netzbetreiber durchlaufen.
Er muss nachweisen, dass er rund um die Uhr innerhalb weniger Minuten mehr Strom produzieren kann. „Das Prä-Qualifikations-Verfahren schafft ein einzelner Betreiber nicht, ein virtuelles Kraftwerk schon“, sagt Kurt Rohrig, der Bereichsleiter für Information und Energietechnik beim Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) an der Uni Kassel, das sich mit Windkraft beschäftigt.
Damit hätten die Betreiber aber noch nicht alles herausgeholt, was geht, sagt Rohrig. „Wenn man das auf einen Windpark mit angeschlossener Biogas-Anlage begrenzt, dann ist das Verschwendung.“ Virtuelle Kraftwerke lohnten sich erst richtig, wenn viele kleine Stromquellen zu einer großen Einheit zusammengeschlossen würden - viele private Windparks in unterschiedlichen Regionen etwa. Die Steuerung per Internet und Telefonleitung macht es möglich.
Auch die Stadtwerke Unna wollen ihr virtuelles Kraftwerk weiter ausbauen. Und die zusätzlichen Anlagen, so heißt es ausdrücklich, „müssen nicht zwingend in Unna stehen.“
