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30.06.2008 
Kostenschub um 50 Prozent

Teurer Stahl bringt Zulieferer in Not

von Markus Hennes

Der drastische Anstieg der Stahlpreise und das Preisdiktat der Konzerne bedrohen eine Kernbranche des industriellen Mittelstands in Deutschland. Auf die zumeist familiengeführten Betriebe der Stahl- und Metallverarbeitung kommt ab dem zweiten Halbjahr ein Kostenschub von 50 Prozent zu.

Stahlwerker am Hochofen Foto: apLupe

Stahlwerker am Hochofen Foto: ap

DÜSSELDORF. Dies entspricht einer Mehrbelastung von über zwei Mrd. Euro. Viele Firmen stehen angesichts der Kostenexplosion vor dem Ruin. Die 4 600 Unternehmen der Branche erzielten 2007 mit 440 000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 81 Mrd. Euro.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Stahlhersteller auch vor Vertragsbrüchen nicht zurückschrecken. Dem Handelsblatt liegen mehrere Briefe vor, in denen die Stahlkonzerne ihren Kunden aus der stahl-und metallverarbeitenden Industrie die Pistole auf die Brust setzen: "Um unsere Lieferfähigkeit auch im zweiten Halbjahr 2008 weiter aufrechtzuerhalten, sehen wir uns gezwungen, unsere Preise massiv ... anzuheben. Hiervon sind auch laufende Jahresabschlüsse betroffen." Solche oder ähnliche Formulierungen finden sich in Schreiben von Arcelor-Mittal, Salzgitter oder der Saarstahl-Gruppe.

"Unsere Mitgliedsfirmen haben keine Chance, dem Preisdiktat der Stahlhersteller auszuweichen", klagt Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) in Düsseldorf. Er wirft den Stahlproduzenten vor, ihre Angebotsmacht ohne Rücksicht auf die gravierenden Folgen für eine ihrer größten Abnehmerbranchen auszunutzen. 2007 haben die Mitgliedsfirmen des WSM knapp 20 Mill. Tonnen Stahl verarbeitet, dies entspricht knapp 40 Prozent der gesamten deutschen Stahlproduktion.

Doch auch die Stahlkonzerne stehen unter erheblichem Druck. Branchenprimus Arcelor-Mittal begründete die Anhebung der Stahlpreise mit einer erheblichen Verteuerung der Rohstoffe Eisenerz, Kokskohle und Schrott sowie höheren Kosten für Energie und Transport. So kostet Eisenerz auf Euro-Basis gut 40 Prozent mehr als vor einem Jahr, der Einkaufspreis für Stahlschrott hat sich verdoppelt. Kokskohle ist sogar noch teurer geworden (siehe Grafik). Marktbeobachter gehen davon aus, dass kleinere Konkurrenten dem Beispiel von Arcelor-Mittal folgen und ihre Verkaufspreise für Stahl ähnlich stark erhöhen werden.

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