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28.04.2008 
Beschaffungswesen

Vernetzter Einkauf spart Papier und Personal

von Chris Löwer

Die durchschnittliche Bestandslückenrate im Supermarkt-Regal liegt europaweit bei sieben bis zehn Prozent. Häufige Ursache leerer Regale ist ein mangelhaftes Beschaffungswesen. Mittelständische Unternehmen profitieren im weltweiten Wettbewerb vom so genannten E-Procurement – die Transparenz soll Lieferantenbeziehungen verbessern.

BERLIN. Kleine Ursache, große Wirkung. Im Supermarkt-Regal klafft an vertrauter Stelle eine Lücke: der Lieblingskäse ist wieder nicht da. So greift der Kunde zu einem anderen – und bleibt künftig dabei. Laut einer Studie des Konsumforschungsinstituts ECR passiert das recht häufig. Denn die so genannte durchschnittliche Bestandslückenrate liegt europaweit bei sieben bis zehn Prozent. Die Folgen: 37 Prozent der erfolglos suchenden Kunden greifen zu einer anderen Marke. 21 Prozent wechseln das Geschäft. Und neun Prozent kaufen gar nichts. Allein das kostet den Handel laut ECR jährlich vier Mrd. Euro Umsatz.

Häufige Ursache leerer Regale: ein mangelhaftes Beschaffungswesen. Für Abhilfe soll die elektronische Beschaffung sorgen, das E-Procurement, bei dem Güter und Dienstleistungen per Internet eingekauft und verwaltet werden. Sei es in Online-Shops oder auf elektronischen Marktplätzen. „Beim E-Procurement geht es allerdings um weit mehr als Online-Bestellungen“, sagt Jürgen Schade, Mitglied der Geschäftsführung beim Kölner Dienstleister GS1 Germany GmbH, der sich auf die Beschleunigung unternehmensübergreifender Geschäftsabläufe in der Konsumgüterwirtschaft spezialisiert hat. Gefragt seien vielmehr Lösungen für die gesamte Lieferkette.

Bislang ist das noch eine Domäne großer Konzerne. Doch nun entdecken immer mehr Mittelständler das Werkzeug. Auch wenn nach Schades Beobachtung viele bisher erst Teillösungen einsetzen – etwa, indem sie ihre Produkte standardisiert beschreiben, so dass sie im Netz schneller aufzufinden sind –, können sie sich kaum dem Sog zur elektronischen Abwicklung entziehen. „Kleinere Firmen bekommen den steigenden Wettbewerbsdruck zu spüren“, sagt Schade. „Deshalb müssen sie den Einkauf optimieren und Kosten senken.“

Um was es dabei in der Praxis geht, mutet auf den ersten Blick zuweilen banal an: Die Fruitline Bremen GmbH etwa, eine Fünf-Mann-Firma, organisiert für den deutschen Fruchtgroßhändler Atlanta AG den Transport von Obst und Gemüse in die regionalen Verteilzentren. „Eine Mitarbeiterin war bis vor kurzem noch den ganzen Tag damit beschäftigt, eingehende Telefaxe zu sichten und daraus Aufträge zu generieren“, erinnert sich Inhaberin und Geschäftsführerin Margret Steegmann. In mühevoller Handarbeit wurden danach täglich 80 Lastwagen gesteuert. Bemerkenswert für einen Logistikdienstleister, doch in der Obst- und Gemüsebranche nicht unüblich.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Toben des Papierkrieges.

Auf der anderen Seite, beim 1 000-Mitarbeiter-Unternehmen Atlanta, tobte der Papierkrieg noch unerbittlicher: Um den Warenverkehr zu organisieren, quollen hier jährlich 30 000 Order aus dem Faxgerät, die emsig von den Mitarbeitern bearbeitet wurden, die alle Angaben ins Buchhaltungssystem tippten. Mittlerweile übernimmt diesen Job ein elektronisches Formular, das Aufträge erfasst und verarbeitet. Die Kommunikation zwischen den Firmen läuft verschlüsselt. Über das System lässt sich auch gleich abrechnen: „Wir werden alle Papierrechnungen sukzessive durch elektronische Dokumente ersetzen“, sagt Tilo Bolduan, IT-Manager bei Atlanta.

„Wer seine internen Firmen-Netze derart unmittelbar verbindet, verhindert Reibungsverluste und spart Prozesskosten, allein schon weil Ausdrucke, Faxe, Postversand und die Erfassung im Lieferantensystem entfallen“, sagt Schade. Nebenbei würden Aufträge deutlich schneller abgewickelt. Gerade in der Produktion sei die Vernetzung zwischen Kunde und Lieferant von Vorteil: Ob Ware verfügbar ist, lässt sich sofort prüfen und gegebenenfalls entscheiden, ob ein Ersatzprodukt zu liefern oder ein anderer Lieferant zu beauftragen ist. Schließlich geht es beim E-Procurement letztlich darum, den Umsatz zu steigern. „Weil standardisierte Daten und automatisierte Einkaufsprozesse die Planungssicherheit erhöhen, verbessert die elektronische Abwicklung Lieferanten- und Kundenbeziehungen“, sagt Schade.

Das weiß auch der Sportgeräte-Hersteller Hudora GmbH aus Remscheid, der sein Beschaffungswesen elektronisch abwickelt. Kunden können dank der völligen digitalen Vernetzung die bestellten Skateboards, Inlineskates, Schlittschuhe und Schutzausrüstungen per Internet auf dem Weg von der Produktion bis zum Wareneingang beim Händler verfolgen. Die IT-Abteilung der 40-Mitarbeiter-Firma hat dazu eine eigene Software entwickelt. Damit lassen sich Waren in der Distributionskette teilweise sogar per Kamera verfolgen. „Damit dokumentieren wir, dass ein bestimmtes Paket wirklich seinen Weg in den LKW gefunden hat“, erklärt Tobias Nockher, Projektmanager Operations Research bei Hudora. Und das ist noch längst nicht alles: „Natürlich wären Funketiketten die eleganteste Lösung. Wir arbeiten daran“, sagt Nockher.

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