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14.10.2007 
Landwirtschaft

Wachsender Hunger nach Fläche

von Andreas Menn

Immer mehr Biomasse wird zu Sprit, Indien und China entdecken Weizen und Milch: Die Anbaugebiete werden stetig knapper und auch die Auswahl, was dort angebaut werden soll, fällt immer schwerer – als Folge steigen die Lebensmittelpreise massiv.

Auch für Weizen werden die Anbauflächen knapper - die Agarwirtschaft ist im Umbruch. Foto: dpaLupe

Auch für Weizen werden die Anbauflächen knapper - die Agarwirtschaft ist im Umbruch. Foto: dpa

KÖLN. Das Prosit am Neujahrstag wird einen bitteren Beigeschmack bekommen: Laut Deutschem Brauer-Bund steigt der Bierpreis zum Jahreswechsel. „Um 50 Cent bis einen Euro pro Kasten“, sagt Wolfgang Burgard, Vorsitzender der Geschäftsführung von Carlsberg Deutschland. Schuld seien unter anderem gestiegene Rohstoffkosten: „Die Malzpreise haben sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt.“ Ein Ende der Preisrally sei nicht abzusehen.

„Die Stimmung in der Lebensmittel-Branche ist angespannt“, bestätigt Peter Feller, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. „Wir erleben eine weltweite Rohstoffverknappung. Seit dem Jahr 2000 sind wir permanent mit deutlichen Preiserhöhungen konfrontiert.“ Die Preise für Brotweizen seien seit dem Sommer 2006 um 31 Prozent gestiegen, die für Braugerste zwischen Juli 2006 und Januar 2007 um 72 Prozent.

Der Unmut der Lebensmittelproduzenten trifft besonders die Biokraftstoff-Industrie: Raps, Mais, Weizen und Zuckerrüben werden in rasant steigenden Mengen zu alternativen Treibstoffen verarbeitet, die angeblich das Klima schonen und Landwirten neue Einnahmen verschaffen. Dank Steuerbegünstigungen fahren nachwachsende Rohstoffe gute Preise ein, mehr und mehr Landwirte stellen ihren Anbau auf Biosprit um.

Schon Anfang des Jahres warnte der Deutsche Brauer-Bund, den Brauereien könnten durch den Boom beim Biosprit die Rohstoffe ausgehen. Auch die Margarine-Industrie spart nicht mit Kritik an der Biokraftstoff-Branche: „Die Förderung von Biokraftstoffen ist eine völlig verfehlte Klientel-Politik zugunsten einer kleinen Gruppe von Biokraftstoff-Lobbyisten“, schimpft deren Verbandsgeschäftsführer Karl-Heinz Legendre.

Laut Zentraler Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Landwirtschaft (ZMP) haben sich 2006 bereits zwei Drittel des hierzulande verarbeiteten Rapsöls in Treibstoff verwandelt. Derweil steigt der Absatz etwa von Bio-Diesel immer weiter: Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie verzeichnete 2006 ein Plus um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein seit Ende März ist der Preis für Rapsöl an der größten deutschen Ölmühle in Hamburg um 37 Prozent gestiegen.

„Der Rohstoff ist der absolut dominierende Kostenfaktor bei der Margarineproduktion, er liegt bei 60 bis 70 Prozent der gesamten Produktionskosten“, sagt Karl-Heinz Legendre. Da Lebensmittelproduzenten für Rohstoffe Monatskontrakte abschließen und die Preise permanent steigen, wage es derzeit niemand, jetzt einen Abschluss zu machen. „Die Leute sind nervös, es geht an die Existenz.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Die Lebensmittelindustrie ist verwöhnt “

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