Wer von seiner Bank einen Kredit will, muss sein Unternehmen in allen Details bewerten lassen. Das ist zwar mühsam, seit den verschärften Eigenkapitalbestimmungen durch Basel II aber unvermeidlich. Gerade die kleineren Unternehmen verpassen häufig Chancen, die ein Ratingprozess bietet.
FRANKFURT. „Wer sich auf die Ratingsystematik einlässt, kann wirklich etwas an seinen Risiken ändern“, sagt Martin Depke, der den Arbeitskreis Ratings der Initiative Finanzstandort Deutschland leitet. Außerdem kann der Unternehmer bei guter Kenntnis des Ratingprozesses erkennen, wo das Verfahren ihn eventuell benachteiligt. Wenn beispielsweise die Kennzahlen einer Firma mit zyklischem Geschäft immer zum Stichtag ungünstig aussehen, könnte sie mit der Bank eine Anpassung der Bewertung vereinbaren, so Depke.
Um das Räderwerk hinter dem Rating zu verstehen, bietet es sich an, die Bewertung selbst durchzuspielen. Die Commerzbank bietet im Internet eine simple Möglichkeit an, sein Rating vorzuempfinden: Unter der Adresse » www.companyworld.de findet sich der „Rating:indicator“. Der Unternehmer muss hier nur zwei Bildschirmseiten mit Daten aus der Bilanz ausfüllen und erhält sofort eine Einordnung in die sechsstufige Ratingskala der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD). Commerzbank-Manager Depke weist darauf hin, dass das reale Rating viel aufwendiger ist, dass die Bewertung aber für durchschnittliche Unternehmen innerhalb der IFD-Skala ähnlich ausfallen dürfte.
Eine besonders ausgefeilte Lösung bietet das Düsseldorfer Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken an, die WGZ Bank. Das Computerprogramm „Mind“ trainiert den Mittelständler nicht nur für das Rating, es bereitet auch auf Bewertungsgespräche vor: Nach der Installation in der Firma fragt das Programm in Eingabemasken alles ab, was für die Kreditausfallwahrscheinlichkeit wichtig ist. Daraus erstellt die Software einen durchgeschriebenen Bericht von gut zwanzig Seiten zum Ausdrucken, der den Bankern alle wichtigen Infos und Zahlen zur Verfügung stellt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Pilotnutzer spricht über seine Erfahrungen.
Bernhard Lechtenberg, Geschäftsführer des Anlagenbauers RST Regel- und Steuerungsanlagen in Hamminkeln, war einer der Pilotnutzer von „Mind“. „Es dauert beim ersten Mal ein bis und zwei Arbeitstage, die ganzen Daten einzugeben“, sagt Lechtenberg. Er nutzt die Software inzwischen jedoch mehrmals im Jahr: Um größere Aufträge zu stemmen, braucht RST oftmals Sonderfinanzierungen, für die jeweils ein Rating nötig ist. Dafür muss Lechtenberg nur aktualisieren, was sich seit dem vorigen Mal geändert hat. RST hat etwa 80 Mitarbeiter; Lechtenberg ist einer der wenigen Kaufleute im Betrieb und kümmert sich um die Finanzierung im Wesentlichen allein. „Das Programm ist in so einem Fall sehr hilfreich.“ Die Berichte, die es erstellt, stießen auch bei anderen Banken auf Interesse.
Das Selbstrating-Werkzeug eines Projekts der Universität Oldenburg zur Mittelstandsfinanzierung ist dagegen nicht an eine Bank gebunden. Die Wissenschaftler haben eine Excel-Arbeitsmappe angelegt, die auf vielen Seiten alles abfragt, was für das Rating wichtig ist – neben einer Fülle von Kennzahlen beispielsweise auch Details zur Unternehmensnachfolge und zu Zuständigkeiten. Die Tabellenkalkulation rechnet dann eine Bewertung aus und weist auf Risiken und Verbesserungsmöglichkeiten hin. Die Datei lässt sich anfordern über » www.uni-oldenburg.de/mittelstandsfinanzierung/.
Unbekannte Noten
Umfrage: Die KfW hat in ihrer Unternehmensbefragung 2006 das Thema Rating beleuchtet. Erstes Ergebnis: Mehr als drei Fünftel der Unternehmen kennen die Ratingkriterien. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als einer Mill. Euro Umsatz liegt der Wert jedoch bei weniger als zwei Fünfteln.
Ratingnote: Auch die individuelle Ratingnote von ihrer Bank kennen zwar fast 90 Prozent der größeren, aber nur die Hälfte der kleinen Unternehmen.
