1 Bewertung *****
21.11.2008 
Finanzierungshilfen

Deutsche Maschinenbauer stützen russische Kunden

von Wolfgang Gillmann

Nach zwei sehr guten Jahren erwarten die rund 130 deutschen Hersteller von Bergbaumaschinen eine Wachstumsdelle. Der Umsatz der Branche wird in diesem Jahr voraussichtlich um elf Prozent auf rund drei Mrd. Euro sinken. Besonders zu spüren bekommen sie die Auftragsstornierungen aus Osteuropa - und prüfen deshalb Finanzierungshilfen.

Die Maschinenbauer erwarten einen Rückgang des Wachstums. Foto: ArchivLupe

Die Maschinenbauer erwarten einen Rückgang des Wachstums. Foto: Archiv

ESSEN. Zutiefst betrübt sind die Hersteller von Bergbaumaschinen nicht: "Nach einem Plus von jeweils 18 Prozent in den beiden vorangegangenen Jahren können wir diesen Rückgang verkraften", sagte Peter Jochums, Vorsitzender des Fachverbandes Bergbaumaschinen im VDMA. "Das Jahr 2007 war das beste in unserer Geschichte." Für 2009 erwartet die Branche dann wieder ein Umsatzplus von etwa zehn Prozent.

Allerdings spürt die Branche erste Auswirkungen der Finanz- und Konjunkturkrise und ist deshalb unsicher, wie sich die nächsten Jahre entwickeln werden. "Es gab einige Auftragsstornierungen oder Verschiebungen insbesondere aus dem osteuropäischen Raum, die nach unserer Einschätzung auf die Krise zurückzuführen sind", sagte Jochums. "Von massiven Einbrüchen wie in anderen Wirtschaftszweigen sind wir aber bisher verschont geblieben."

Auf dem neuesten Stand bleiben - Newsletter Blickpunkt Mittelstand

Die Hersteller versuchen, Kunden aus Osteuropa über verstärkte Nutzung von Hermes-Instrumenten oder der Finanzierung über deutsche Banken entgegenzukommen. Dies bestätigt Paul Rheinländer, Geschäftsführer der Bochumer Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik u. Eisengießerei. "Wir sind in Gesprächen mit russischen Bergbaugesellschaften, weil der Kapitalverkehr dort zum Erliegen gekommen ist. Wir versuchen, ihnen Kredite zu verschaffen."

Zusätzlich hat der dramatische Verfall der Rohstoffpreise in den letzten Monaten dazu geführt, dass einzelne Kunden Investitionsprojekte zurückstellen. "Bisher halten sich die Auswirkungen aber noch im Rahmen", sagte Jochums. Zurzeit sind die Auftragsbücher der deutschen Hersteller noch sehr gut gefüllt. Im Durchschnitt reichen die Bestellungen für sechs bis acht Monate. Die Durchlaufzeit für Großprojekte kann bis zu zwei Jahren betragen.

Deutschland ist für die Branche immer noch der größte Markt, doch der Bergbau in Deutschland schrumpft. Deshalb hat die Branche das Auslandsgeschäft gestärkt, das bereits 87 Prozent zum Umsatz beiträgt. Doch gerade in den großen Exportmärkten Russland, China und den USA rechnen die Bergbaumaschinen-Hersteller in den nächsten Jahren mit Rückgang oder Stagnation. Dafür läuft das Exportgeschäft in Ländern wie Indien, Australien oder Mexiko weiter gut, da hier neue Erzvorkommen erschlossen werden.

China hat sich für die deutschen Hersteller zu einem wichtigen Konkurrenten auf dem Weltmarkt entwickelt. Nicht nur weil "gnadenlos abgekupfert" werde, sondern die Bergbaumaschinen auch weiterentwickelt würden, sagte Jochums. China hat die Exporte nach Angaben des Verbandes zwischen 2005 und 2007 auf 1,8 Mrd. Euro verdoppelt.

Um Aktivitäten neben dem Bergbau zu fördern, hat sich zum Beispiel der Hersteller Eickhoff aus Bochum in der Windkraft ein zusätzliches Standbein gesucht. Bei dem 1864 gegründeten Familienbetrieb kommen vom Gesamtumsatz von 270 Mio. Euro nur noch rund 110 Mio. Euro aus dem Verkauf von Bergbaumaschinen, darunter 150 Tonnen schwere Walzenschremmlader, die in den Stollen Kohle fördern.

Seit Mitte der neunziger Jahre stellt Eickhoff auch Getriebe für Windkraftanlagen her und erzielt damit nach Aussage von Geschäftsführer Paul Rheinländer bereits einen Umsatz von 100 Mio. Euro. "Wir haben aus der Bergbautechnik große Erfahrung mit Getrieben", erläutert Rheinländer.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Mehr schaffen – weniger arbeiten 

29.06.2009IT-Podcast

An vielen Arbeitsplätzen ist es um die Effektivität schlecht bestellt. Das liegt aber meist nicht an unmotivierten Mitarbeitern, sondern an der Ausstattung und Arbeitsweise, die in den Unternehmen vorherrscht. Moderne IT-Technologien und Arbeitsabläufe können zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gut fürs Unternehmen und die Arbeitnehmer. Anhören


weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBildergalerien

zurück
  • Zehn Schritte zur geförderten Kinde...

    Zehn Schritte zur geförderten Kinderbetreuung

    Kinder als Teil der Karrieplanung: Um qualifizierte Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden, bieten Unternehmer eine betriebliche Betreuung für die Youngsters an. Der Europäische Sozialfonds fördert solche Plätze mit bis zu 50 Prozent der Betriebskos...Bildergalerie 

  • In zehn Schritten zur eigenen Firma

    In zehn Schritten zur eigenen Firma

    Die deutsche Franchise-Wirtschaft boomt: Der Umsatz der Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Das Konzept bietet nicht nur den täglichen Duft von frischen Brötchen, sondern auch ein reduziertes unternehmerisches Risiko. Doch wie funktionieren...Bildergalerie 

  • Die fünf Todsünden im Umgang mit B-...

    Die fünf Todsünden im Umgang mit B-Playern

    Nicht jeder möchte in der ersten Reihe sitzen. Gerade die Gelassenheit der so genannten B-Player hinsichtlich der eigenen Karriere wird oft falsch ausgelegt. Ihnen fehlt aber nicht die Motivation für den Aufstieg – sie legen nur keinen Wert darauf. Wichtiger ...Bildergalerie 

vor