Reposl-Chef Antonio Brufau steht vor schweren Zeiten
Diplomat in Öl

Antonio Brufau träumt davon, aus seinem Ölkonzern Repsol einen global gewichtigen Versorger zu schmieden. Deshalb lässt er sich auf ein gewagtes Spiel ein: Die russische Lukoil soll Großaktionär werden – aber nicht zu viel Einfluss gewinnen.

MADRID. Der traurigste Moment seines Arbeitslebens, erzählte Antonio Brufau unlängst, war jener, da die spanische Energieaufsichtsbehörde ihr Veto gegen die Übernahme des Versorgers Iberdrola durch Gas Natural einlegte.

Das war im Jahr 2003, Brufau zeichnete als Präsident des Gasmonopolisten. Er meint: „Wenn man damals auf ein Zukunftsmodell gesetzt hätte mit einem nationalen Gas- und Strom-Champion, wäre die Situation des spanischen Energiesektors heute eine andere.“

An die verhinderte Übernahme dürfte der Katalane oft denken. Wären die Energiegiganten damals verschmolzen, müsste er jetzt nicht bangen, welcher ausländische Investor wohl der künftige größte Aktionär von Repsol YPF wird, dessen Präsident Brufau heute ist.

Vor vier Jahren trat der langjährige Wirtschaftsprüfer und Partner bei Arthur Anderson an die Spitze des größten spanischen Ölkonzerns. Es war der dritte Spitzenposten im durch gegenseitige Beteiligungen verschworenen Dreiergebilde aus der einflussreichen katalanischen Sparkasse La Caixa, dem von La Caixa und Repsol kontrollierten Konzern Gas Natural und dem von La Caixa beherrschten Repsol. Brufau sollte Repsol zu einem international breit aufgestellten spanischen Energiekonzern machen und durch die Steigerung des Börsenwerts die Gefahr einer Übernahme verringern.

Eine harte Aufgabe. Doch Brufau ist als Arbeitstier bekannt. Er sagt, er ruhe sich vor allem im Flugzeug aus, „wo kein Mobiltelefon klingelt und ich versäumten Schlaf nachholen kann“. Er fand ein hochverschuldetes Unternehmen vor, das viel zu stark von politischen Launen in Südamerika abhing. Vorgänger Alfonso Cortina hatte 1999 das größte argentinische Energieunternehmen YPF für 15 Milliarden Dollar übernommen. Doch Argentiniens Gas- und Ölreserven schwinden, zudem schrumpfen Repsols Einnahmen dort durch Exportverbote und Preiskontrollen. 2006 zwang ihn die Krise in Argentinien sowie die Nationalisierungspolitik in Bolivien und Venezuela zu einer kompletten Revision von Repsols Öl- und Gasreserven, die um ein Viertel geschrumpft waren.

Brufaus neue Kernziele: Verringerung der Abhängigkeit von Argentinien und Diversifizierung. Er verkaufte 25 Prozent der YPF-Anteile an einen lokalen Partner, weitere 20 Prozent sollen an die Börse. Ende 2007 stand Lateinamerika nur noch für 38 Prozent des investierten Kapitals, verglichen mit 52 Prozent bei Brufaus Amtsantritt. Die Schuldenquote wurde auf zwölf Prozent gesenkt, die Profitmargen waren wieder im zweistelligen Bereich. Repsols Öl- und Gasreserven sind mittlerweile weltweit verstreut. In Brasilien stieß der Konzern gar in Kooperation mit Petrobras auf eines der größten Gasvorkommen der Welt.

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