Staatlicher Energiekonzern: Vattenfall prüft Trennung von Kohlekraftwerk

Staatlicher Energiekonzern
Vattenfall prüft Trennung von Kohlekraftwerk

In Stockholm stört sich mancher an den Auslandsaktivitäten von Vattenfall: Neben spärlichen Gewinnen kritisieren viele den Einsatz von Kohle in Deutschland. Jetzt geht der Konzern einen Schritt auf seine Kritiker zu.
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Kopenhagen/StockholmDer Energiekonzern Vattenfall produziert keine Rekordgewinne mehr, dafür aber im heimischen Schweden rekordverdächtige Negativ-Schlagzeilen. Das konservative „Svenska Dagbladet“ hält den Staatskonzern nicht zuletzt wegen seiner deutschen Tochter für „komplett an die Wand gefahren“. Das sozialdemokratische „Aftonbladet“ nennt ihn einen „arroganten Umweltschurken“.

Über den 2012 eingebrochenen Gewinn berichtete die Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“ mit der Schlagzeile „Vattenfalls ausländische Milliarden-Klatschen“. Neben 1,8 Milliarden Euro (15 Mrd Kronen) Verlust aus dem völlig überteuerten Kauf des niederländischen Gaskonzerns Nuon 2009 sei der gleiche Betrag durch den deutschen Atomausstieg sowie den Zwangsverkauf des Stromnetzes „in Rauch“ aufgegangen.

Dass Vattenfalls Erträge als viertgrößter Stromerzeuger in Deutschland durch klimaschädliche Kohle hochgehalten werden und das Unternehmen in den Niederlanden auf den ebenfalls fossilen Energieträger Gas setzt, stimmt die Stockholmer Kritiker nicht milder. „Vattenfall investiert weiter in die falschen Energien und liefert der Öffentlichkeit Mogelpackungen über den angeblichen Ausbau nachhaltiger Energien“, sagt Martina Krüger von Greenpeace.

Heute ging der Konzern jedoch einen Schritt auf seine Kritiker zu. Es werde geprüft, einen Teil des Braunkohlekraftwerks im sächsischen Lippendorf zu verkaufen, teilte das Unternehmen mit. Eine Veräußerung von einem der beiden Blöcke der modernen Anlage stehe zur Debatte. Dies stehe im Zusammenhang mit der Trennung von Unternehmensteilen in Belgien, Polen und Finnland, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören.

Ein Verkauf von Block R könne wesentlich dazu beitragen, die bis 2020 angestrebte Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf rund 65 Millionen Tonnen von 94 Millionen 2010 zu erreichen. Deutschland bleibe aber für Vattenfall ein Kernmarkt und der Abbau sowie die Verstromung von Braunkohle ein zentraler Bestandteil, betonte das Unternehmen.

In Schweden setzt Vattenfall auch auf den Neubau von Atomkraftwerken. In Deutschland werden sie hingegen stillgelegt. Die Regierung als Eigner habe bei Vattenfalls Spagat zwischen Umwelt-Rhetorik und faktischem Handeln immer ein Auge zugedrückt, meint die Greenpeace-Sprecherin: „Sie wollten so viel Geld wie möglich für die Staatskasse und sind Vattenfall deshalb auf den Leim gegangen.“ Der Grünen-Politiker Peter Eriksson sah eher Unternehmensmacht als Ursache: „Vattenfall ist ein Staat im Staat.“

Sozialdemokratische wie bürgerliche Regierungen nickten den im letzten Jahrzehnt auf Pump finanzierten Kauf immer neuer Auslandsbeteiligungen bereitwillig ab. Finanzminister freuten sich über satte Einnahmen vor allem dank Vattenfall Deutschland. Da schienen auch Skandale um die deutschen Pannen-Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel, gefährliche Sicherheitslücken in schwedischen Reaktoren und grotesk anmutende Millionenabfindungen für Topmanager mit wenigen Monaten Betriebszugehörigkeit „durchzugehen“.

Jetzt fließen die Auslandsgewinne wegen geringerer Stromnachfrage und niedrigerer Preise weit spärlicher. Vereinzelt wird auch im Regierungslager für einen Verkauf der deutschen Beteiligungen plädiert. „Es ist hoffnungslos für ein Staatsunternehmen, bei uns den schwedischen Vorgaben für die Klimapolitik zu folgen und in Deutschland denen deutscher Politiker“ seufzte der liberale Wirtschaftspolitiker Carl B. Hamilton im Rundfunk. Sein Wunsch: „Hauptsache, sie können teuer verkaufen.“

Vattenfall-Sprecher Banek meint: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.“ Es gebe aber „gute Gründe“ für den Verbleib in anderen Ländern. Er selbst habe persönlich als neu ernannter Kommunikationschef vor allem ein Ziel: „Dass wir nicht mehr als so arrogant angesehen werden.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Staatlicher Energiekonzern: Vattenfall prüft Trennung von Kohlekraftwerk"

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  • Zumindest haben die Schweden verstanden, dass Braunkohle sehr umweltschädlich ist. Da sind wir Deutschen noch nicht soweit, sonst hätten wir die Braunkohle und nicht die Atomkraftwerke abgeschaltet.

  • Hallo Hofmann..ntürlich trägt die Deutsche Gesellschaft den grössten Teil des selbt angerichteten Schaden.

    Allerdings bekommen auch die Aktionäre der Versorger, häufig die Pensionskassen der Arbeitehmer anderer Länder und eben der Schwedische Staat einen Teil des Schadens ab.

    Vandale

  • @Vandale
    Diese Kosten der ökosozialistischen Energieideologie tragen nicht nur die Energieerzeuger, sondern nachwirkend auch die deutsche Volkswirtschaft. Durch das EEG findet Wohlstandsverlust auf breiter deutscher Volksebene (Endverbraucher) statt! Mit all seinen hässlichen und negativen Erscheinungsbilder.

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