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05.11.2006 

Die Ausgangslage ist schwierig: Unter den 100 meistbesuchten Web-Sites weltweit findet sich nur eine deutsche - T-Online. Die größte Community der Welt, YouTube, hat 100 Millionen Mitglieder, die deutsche Nummer eins, OpenBC, 1,5 Millionen. Aber: "Es ist wie beim Fußball - die Kleinen holen auf", sagt Stefan Glänzer, Gründer des Auktionshauses Ricardo.de und Betreiber des weltweiten Musikdienstes Last.fm. "Die Amerikaner haben das Internet erfunden und die erste Runde mit 7:0 gewonnen", sagt Glänzer. "Beim Web 2.0 steht's nur noch 4:2. Und in der nächsten Saison, in vier bis fünf Jahren, wird's richtig spannend."

Die Amerikaner profitierten vor gut sechs Jahren beim Internet 1.0 von der Globalisierung und der Schlafmützigkeit der Europäer. Jetzt lernen sie die Kehrseite der vernetzten Welt kennen: Das Web 2.0 exportiert Ideen schneller als Unternehmer. Die nationalen Nachahmer, sogenannte Copycats, bauen Communitys mit Hunderttausenden Nutzern auf, ehe MySpace, YouTube und Co. ihre Geschäftsideen exportieren können. Social Networks und User Generated Content, also soziale Netzwerke und vom Nutzer produzierte Inhalte, funktionieren naturgemäß dezentral.

Noch steht Hinrichs mit seinem geplanten Börsengang ziemlich alleine da. "Aber wenn's gut läuft, erleben wir künftig zwei bis drei Börsengänge pro Jahr", sagt Ven- ture-Capitalist Leybold. Die Kandidaten setzen auf Online-Games wie Wazap oder E-Sport, auf E-Commerce wie ImmobilienScout 24 oder auf lokale Informationen wie Plazes.com oder auf eine Alternative zur SMS wie Mabber.de.

Investitionen in Internet-Startups lohnen wieder - auch und gerade in Deutschland. "Vor drei Jahren wurden Gründer mit einer Internet-Idee bei Ven- ture-Capitalists in 30 Sekunden am Telefon abgewimmelt", sagt Martin Weber, Geschäftsführer von Holtzbrinck Ventures, heute können sich gute Startups die Finanziers praktisch aussuchen. Für viele VCs sind Web-2.0-Firmen allerdings zu klein. Die fünf Millionen, die ein klassischer VC-Geber gern pro Unternehmen gibt, sind bei den Startups kaum unterzukriegen. Die erste Million sei früher für Software fällig gewesen, sagt Weber. "Heute kann man mit 100 000 Euro eine Web-2.0-Firma starten."

Frank Böhnke von Wellington Partners ist auch in Krisenzeiten beim Internet geblieben - und damit gut gefahren. Böhnke machte Geld mit dem Verkauf von Alando (an Ebay), Scout24 (an T-Online) und Ciao (an Greenfield), versenkte Geld bei Firmen wie FairAd.de und mit Firmen-Marktplätzen. Mit OpenBC gelang Böhnke ein Scoop: Schafft Gründer Lars Hinrichs (Böhnke: "ein ambitionierter und talentierter Unter- » nehmer") wie erwartet einen erfolgreichen Börsengang, würde Wellington die eingesetzten sechs Millionen Euro für 20 Prozent des Unternehmens mehr als versechsfachen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Gretchenfrage für alle Gründer: Is it a feature or a business?

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