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19.04.2007 
Mehr als New Economy

Die 50 interessantesten Gründer

von Sebastian Matthes und Wirtschaftswoche

Einige diese Namen wird man wohl in Zukunft noch häufiger hören. Diese 50 Gründer überzeugen mit interessanten Geschäftsideen und ihrem Durchsetzungsvermögen. Und die Jungunternehmer können mehr als nur Internet und Biotech.

Der Tontechniker Karlheinz Brandenburg ist nach einer guten Idee noch lange nicht am Ende. Foto: dpaLupe

Der Tontechniker Karlheinz Brandenburg ist nach einer guten Idee noch lange nicht am Ende. Foto: dpa

Christian Angele Gründete mit drei Freunden Imedo.de, eine Plattform, auf der sich Patienten austauschen über Krankheiten, ihre Ärzte oder die Frage, wie man gesund bleibt. Imedo startet im April. Das Gründerteam: Angele (25, Student der Handelshochschule Leipzig), Bioinformatiker Thomas Kadauke, 25, Wirtschaftsinformatiker Hendrik Vollkmer, 25, und Jurist Christian Lautner, 24. Teilweise kennen sich die vier aus Schulzeiten. Investoren: Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski, Jamba-Gründer Oliver Samwer.

Alexander Artopé Rund acht Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Gründung (Softwareunternehmen Datango) startet der Berliner wieder durch. Mit Jörg Rheinboldt, 35, (Mitgründer von Denkwerk-, Alando- und Ebay-Deutschland) gründete Artopé, 37, das Startup Smava - einen Marktplatz für Privatkredite, der vor wenigen Tagen online ging. Privatleute stellen dort Projekte vor, für die sie Geld benötigen: ein neues Auto, ein Cello für den Sohn oder einen PC. Potenzielle Gläubiger suchen auf der Seite nach Dingen, die sie finanziell unterstützen wollen. Die Identität beider Partner bleibt anonym. Abwicklung wie Bonitätsprüfung und die daraus abgeleitete Preisbildung übernimmt Smava. Was sich skurril anhört, ist im angelsächsischen Web ein Erfolg: Die Vorbilder heißen Prosper und Zopa.

Lars Behrend Der 35-jährige Biologe betreibt mit Biochemiker Christian Thirion, 35 das Startup Sirion. Beide kennen sich aus ihrer Zeit als Forscher an der Uni Ulm. Ihre Geschäftsidee: Mit einem RNA-Interferenz-Verfahren schalten sie einzelne Gene in Zellen aus, um deren Einfluss bei der Entstehung von Krankheiten zu bestimmen. "Das ist wie bei einem Elektriker, der 30 Leitungen sieht und wissen will, an welcher die Lampe hängt", sagt Behrend. "Und die Lampe ist die Krankheit." Als Anschubfinanzierung bekam Sirion 300 000 Euro von Bayern-Kapital und KfW. Der High-Tech-Gründerfonds sagte weitere 600 000 Euro zu.

Wulf Bentlage Produziert mit seinem Unternehmen Geohumus ein braunes Granulat, das Wasser und Mineralien im Boden speichert. So bleiben Balkonpflanzen frisch, Golfrasen grün, und sogar Wüstenbildung kann unter Umständen gestoppt werden. Die Idee hatte Gründungskollege und Chemiker Reinmar Peppmöller, 70. In wenigen Tagen nimmt das Unternehmen (zwölf Mitarbeiter) eine Anlage in Betrieb, die 25 000 Tonnen Granulat im Jahr produziert - bisher stellt die Firma erst 400 Tonnen her. Bentlage, 43, und früher als Arzt tätig, verhandelt zudem mit Investoren in Saudi-Arabien über eine Anlage in Nahost.

Bea Beste Die Idee für eine neue Schulform kam von Alexander Olek, 37, Gründer der Biotech-Firma Epigenomics. Er erinnerte sich an seine Probleme auf dem Gymnasium. Und weil sein Sohn ins schulfähige Alter kam, entwickelte er ein Konzept für eine bessere Schule. Damit begeisterte er die Boston-Consulting-Group- Beraterin Beste, 38. Sie entwickelte aus der Idee das Schul-Franchise-System Phorms: Privatschulen sollen deutschlandweit mit Ganztagsbetrieb, zweisprachigem Unterricht und individueller Förderung eine Alternative zu staatlichen Lehranstalten bieten. Schulgeld: Zwischen 220 und 860 Euro monatlich, je nach Vermögen der Eltern. Die Schulen sollen sich selbst tragen. Phorms übernimmt als Mutter-AG Marketing, Personalarbeit und IT. Eine Phorms-Schule gibt es bereits in Berlin, drei weitere befinden sich im Aufbau - in Köln, München und Frankfurt am Main.

Jan Blochwitz-Nimoth Arbeitet mit seiner Dresdner Firma Novaled an besseren Handy-Displays. Mit einer neuen Technik macht Novaled Leuchtdioden leistungsfähiger. So hergestellte Displays verbrauchen nur halb so viel Strom und sind doppelt so hell. Derzeit testen einige große Hersteller die Novaled-Technik. Blochwitz-Nimoth, 37, entwickelte das Verfahren als Doktorand an der TU Dresden.

Kai Bolik Skat, Billard und Solitaire: Auf der Internetseite von Gameduell können Nutzer mit Geschicklichkeitsspielen um Geld zocken. Der Ex-Lycos-Manager Bolik, 39, gründete die Firma mit Michael Kalkowski, 33, und Boris Wasmuth, 38, die ihrerseits vorher das Verbraucherportal Dooyoo mitgründeten. Gemeinsam machten sie Gameduell nach eigenen Angaben zu Deutschlands größter Daddelseite. Gameduell hat vier Millionen registrierte Nutzer. Nach nur neun Monaten war es profitabel. Hauptinvestoren sind die Verlage Burda und Holtzbrinck.

Michael Böttger Böttger, 38, gründete 2006 mit Oliver Wolf, 37, Raumobil, eine Internet-Plattform für kostenlose Vermittlung freier Flächen in Lkws, Mitfahrgelegenheiten und Zimmern für private und gewerbliche Nutzer. Sie lernten sich in der Abteilung Produktentwicklung bei Web.de kennen. Kaum online, wurde das Konzept mehrfach mit Gründerpreisen bedacht. Raumobil sitzt in Karlsruhe. Derzeit stehen rund 25 000 Fahrten und etwa 1000 freie Räume zur Wahl.

Karlheinz Brandenburg Der Miterfinder des MP3-Formats und Chef des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie hat ein neues Projekt: Iosono soll den Dolby-Surround-Klang revolutionieren. Eine Vielzahl von Lautsprechern versorgt jeden Platz im Kino mit dreidimensionalen Schallfeldern. So soll das Kinoerlebnis der Realität möglichst nah kommen. Gerade versucht der 52-jährige Brandenburg, US-Filmstudios davon zu überzeugen, neue Filme mit der Iosono-Technik abzumischen. Heimkino-Lösungen soll es frühestens in fünf Jahren geben. 13 Mitarbeiter arbeiten für Iosono in Ilmenau und in Hollywood.

Michael Brehm Hat das Berliner Kontaktnetz für Studenten StudiVZ 2005 mitgegründet. Nach dem Wechsel des umstrittenen Ehssan Dariani, 26, in den Aufsichtsrat ist Brehm, 27, wichtigster Mann im operativen Geschäft von StudiVZ. Brehm ist Absolvent der WHU. Und sein Startup (rund 70 Mitarbeiter) wurde erst kürzlich für geschätzte 85 Millionen Euro von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gekauft. Vor wenigen Wochen eröffnete StudiVZ (1,85 Millionen Nutzer) eine Plattform für Schüler und bastelt an seiner Internationalisierung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: 11 bis 20: Ebay mit der Fernbedienung

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