0 Bewertungen
06.11.2006 
Im Silicon Valley rollt der Dollar wieder

In der Luft halten

von Matthias Hohensee und Wirtschaftswoche

Im Sillicon Valley ist die neueste Runde einer Megalotterie im Gange. Internetfirmen schießen wie Pilze aus dem Boden, Investoren reißen sich um sie. Das Spiel heißt: "Wer wird Milliardär?"

Medienzar Rupert Murdoch hat sich MySpace für 580 Mill. Dollar einverleibt.Lupe

Medienzar Rupert Murdoch hat sich MySpace für 580 Mill. Dollar einverleibt.

DÜSSELDORF. Beim Aufnahmetest für eine Internet-Boygroup hätte Johannes Ziegler keine Chance. Im Jugendwahn von Silicon Valleys Internet-Branche gilt jeder über 35 als steinalt. Ziegler ist 41. Der Schweizer hat eine Denkerstirn, schüttere Haare, lebt seit zwölf Jahren im High-Tech-Tal südlich von San Francisco. Zu Hause erwarten ihn fünf Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren. Trotzdem hat der ehemalige McKinsey-Berater das, wovon viele im Silicon Valley träumen: Ein eigenes Startup mit einflussreichen Beratern im Aufsichtsrat. Ziegler zieht seit zwei Jahren parallel in den USA und Europa ein Internet-Angebot für "Erwachsene" hoch. Für Leute, die sich nicht mit Schampusflasche, Badehose oder Bikini im Internet zeigen wollen, sondern online über Hobbys, Kindererziehung, den fähigsten Klempner oder das beste Motorradgeschäft fachsimpeln. 5 000 Mitglieder hat er bislang gewonnen. Das Startup heißt - hm, nun ja - Miaplaza.

Das klingt wie das megaerfolgreiche Myspace, das sich Medienzar Rupert Murdoch im Juli 2005 für 580 Millionen Dollar einverleibte. "Ich schwöre, das kannten wir damals nicht", beteuert Ziegler. Ganz ohne junges Blut kommt auch er nicht aus. Seine Geheimwaffe ist Julian Rüth. Der heute 24-Jährige gewann vor fünf Jahren den Bundeswettbewerb für Informatik, er war Coach des deutschen Teams für die Internationale Informatik-Olympiade. Ihn hat Ziegler extra ins Silicon Valley geholt: "Der Mann ist phänomenal."

Rüth kommt in die gelobte Region, in der das Startup-Fieber wieder heftigst grassiert und Leute mit seinen Fähigkeiten wie Profisportler gehandelt werden. Vergessen sind die Auswüchse des ersten Internet-Booms. Das Tal der Tränen hat sich wieder zum Tal der Träume gewandelt - Gespinste mit einem großen Dollar-Zeichen vorweg und vielen Nullen hintendran. Der angeschmuddelte Begriff Dot.com ist out, Web 2.0 ist in. Das suggeriert den Neustart einer besseren Variante. Und das Internet boomt. Vor allem fallen die Kosten für den Internet-Anschluss und der Zugang wird schneller. Das erlaubt ganz neue, grafik- und videoschwere Dienste oder das Verlagen von Programmen wie Textverarbeitung oder E-Mail-Verwaltungssoftware ins Internet. Das Publizieren eigener Text, Fotos oder Videos ist so leicht geworden, dass jedermann damit zurechtkommt.

Die interessantesten Ideen werden auf Partys gehandelt, die Leute wie Michael Arrington ausrichten. Der Anwalt schreibt TechCrunch und erzählt in diesem Blog das Internet-Tagebuch über die heißesten Startups, in die er oft auch selber investiert. Es war Arrington, der als Erster über die geplante Milliardenübernahme der Videoseite Youtube durch Google berichtete, dem jüngsten Superdeal des Silicon Valley.

Ein Merkmal dieser neuen Web-Welle ist, dass sie ihren Ursprung nicht mehr allein im Silicon Valley hat. Besonders in den Ländern Asiens und Europas - darunter auch Deutschland -, die mit einer weiten Verbreitung schneller Internet-Anschlüsse und günstigen Pauschaltarifen glänzen, entstehen neue Web-Communities, die von dort ihre Expansion in andere Länder vorantreiben. Doch das weltweite Zentrum der Bewegung liegt auch diesmal in Kalifornien.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer verhandelt mit dem Triumvirat des Internets?

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Themen: Enron | Microsoft | Ideo | Facebook | Jajah | Ebay
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Blogkommentare zu diesem Artikel

Mehr schaffen – weniger arbeiten 

29.06.2009IT-Podcast

An vielen Arbeitsplätzen ist es um die Effektivität schlecht bestellt. Das liegt aber meist nicht an unmotivierten Mitarbeitern, sondern an der Ausstattung und Arbeitsweise, die in den Unternehmen vorherrscht. Moderne IT-Technologien und Arbeitsabläufe können zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gut fürs Unternehmen und die Arbeitnehmer. Anhören


weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBlickpunkt Mittelstand

Zehn Schritte zur geförderten Kinderbetreuung 

Die betriebliche Kinderbetreuung wird mit bis zu 6000 Euro gefördert. Quelle: dpa

Kinder als Teil der Karrieplanung: Um qualifizierte Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden, bieten Unternehmer eine betriebliche Betreuung für die Youngsters an. Der Europäische Sozialfonds fördert solche Plätze mit bis zu 50 Prozent der Betriebskosten. In zehn Schritten zur geförderten, betrieblichen Kinderbetreuung. Bildergalerie


„Ich brauche die Macht nicht“  Artikel in Merkliste

Erbe verpflichtet: Martin Viessmann, Geschäftsführer der Viessmann Werke. Quelle: dpa

Martin Viessmann fühlt sich seinem Erbe verpflichtet. Der Familienunternehmer baut Heiztechnik in der dritten Generation. Im Handelsblatt-Interview spricht er über einbrechende Märkte, externe Berater und private Flugstunden – und erzählt, wie er die Nachfolge im Unternehmen regelt. Artikel


Heiztechnik im Eiskanal  Artikel in Merkliste

Messestand von Viessmann: Flach- und Röhrenkollektoren auf der Intersolar 2006. Quelle: dpa

Viessmann ist ein echtes Familienunternehmen. Seine Wurzeln hat der Heizungsbauer nie vergessen. Ob bei der Entwicklung seiner Produkte oder beim Sponsoring von Wintersportlern. Über eine bewegte Familiengeschichte. Artikel


Kommunikationsbranche: Traumjob statt Alptraumjob  Artikel in Merkliste

Schlechte Arbeitsbedingungen wie massenhaft Überstunden unterlaufen das coole Image, welches der Kommunikationsbranche anhaftet.

Je cooler das Unternehmen, desto schlechter die Arbeitsbedingungen. Was in den meisten Unternehmen unter dem Stichwort Employer Branding längst selbstverständlich ist, ist für die vermeintlich glamouröse Kommunikationsbranche ein Fremdwort. Mareike Boddin will das ändern – mit einer Unternehmensberatung. Artikel


In der Krise beweist sich der wahre Entrepreneur  Artikel in Merkliste

Actelion-Chef Jean-Paul Clozel wurde jüngst zum "Entrepreneur des Jahres 2008" gekürt. Quelle: Reuters

Optimismus statt Depression, das zeichnet den wahren Entrepreneur aus. Statt über die Krise zu jammern, glauben die erfolgreichen Unternehmer daran, dass ihr Betrieb als Gewinner aus der Krise hervorgeht. Eine Exklusiv-Umfrage zeigt, wie Unternehmer die schwierigen Zeiten meistern. Artikel


Handelsblatt Marktplatz

Wollen Sie möglichst viel Geld vom Finanzamt zurück? Die KONZ Steuersoftware mit 1000 ganz legalen Steuertricks hilft Ihnen dabei. Weiter