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06.11.2006 

Caterina Fake und Stewart Butterfield, Gründer der Internet-Fotoplattform flickr.com, die von Yahoo gekauft wurde. Foto: Sigrun Schubert

Caterina Fake und Stewart Butterfield, Gründer der Internet-Fotoplattform flickr.com, die von Yahoo gekauft wurde. Foto: Sigrun Schubert

Das genügte Steve Chen und Chad Hurley, um ihre Videoseite Youtube zu einer weltweiten Marke auszubauen und 20 Monate nach Gründung für 1,65 Milliarden US-Dollar an Google zu verscherbeln. Im Winter 2004 hatten die beiden und ihr Kompagnon Jawed Karim bemerkt, dass es zwar einen Haufen Videoseiten im Internet gab, aber das Verteilen von selbst gedrehten Filmen über das World Wide Web viel zu kompliziert war. Das erste Filmchen, das sie selbst reinstellten, war ein Video von Chens Katze. Der Rest ist Folklore im » Silicon Valley. Hurley und Chen die neuen Helden. Youtube blähte sich vom Testballon zu einem Giganten, lieferte zuletzt im Oktober täglich bis zu 100 Millionen Videos an Internet-Nutzer aus der ganzen Welt. Die amüsierten sich über Videos vom in Nahverkehr ausrastenden Taiwanesen bis hin zur chinesischen Kopie einer amerikanischen Boygroup. Das Experiment hat selbst seine Urheber überrascht.

Genauso wie Caterina Fake und Stewart Butterfield. Die Flickr-Fotoseite des Pärchens war eigentlich nur ein Abfallprodukt des Computerspiels Neverending, an dem beide werkelten. Sie erlaubte es jedoch, Fotos relativ einfach im Web zu veröffentlichen und mit Kommentaren zu versehen. Besser noch: Per Klick ließen sich die Bilder in andere Web-Seiten integrieren, was die Verbreitung förderte. Eine Funktion, die auch Youtube für ihren sagenhaften Aufstieg nutzte. Der Flickr-Virus steckte an, in Foren und Blogs wurde das Angebot hochgelobt. Die Nutzerzahlen kletterten. Etliche waren sogar bereit, 25 Dollar Jahresgebühr zu zahlen. Im Frühjahr 2005 beschloss Yahoo-Chef Terry Semel, Flickr mal lieber schnell zu kaufen. Über die Summe wahren Fake und Butterfield Stillschweigen. Sie wird auf 35 Millionen Dollar geschätzt.

Das ist ein Schnäppchen gegenüber der Internet-Telefongesellschaft Skype. Die Skandinavier Niklas Zennström und Janus Friis schrieben eine Software, die kostengünstige Telefongespräche zwischen Computern und Telefonen erlaubt. Im Gegensatz zum Angebot der Konkurrenten war keine extra Hardware nötig, was die Verbreitung zum Kinderspiel machte. Im August 2003 ins Internet eingespeist, ging Skype wie ein Virus um die Welt. Innerhalb von 20 Monaten meldeten sich 29 Millionen Internet-Nutzer an. Im Frühjahr 2005 stieg der Silicon-Valley-Finanzier Tim Draper ein. Wenige Monate später stand Skype auch schon zum Verkauf. Für 2,6 Milliarden Dollar verleibte sich Ebay im September 2005 die populäre Telefongesellschaft ein. Jetzt greifen Zennström und Friis nach dem nächsten Stern. Ihr "Venice Project" soll Fernsehkanäle besonders kostengünstig via Internet übertragen.

Mark Zuckerberg ist 22 und der nächste Kandidat für den Club der Milliardäre. An der Harvard-Universität entwickelte er ein Web-Angebot, in dem Kommilitonen ihre eigenen Steckbriefe veröffentlichen können - eine digitale Version der Jahrbücher. Jetzt hat Facebook 9,5 Millionen Mitglieder und ist eine der am häufigsten besuchten Web-Seiten in den USA. Zuckerberg sitzt in einem Loft in Palo Alto und wird von allen Seiten heftig umworben. Yahoo bot dem Unternehmer, der noch immer wie ein Teenager aussieht und sich nach eigenem Bekunden nicht für Reichtum interessiert, bis zu einer Milliarde Dollar. Das wird wohl nicht reichen. Doch Zuckerberg will gar nicht verkaufen, jedenfalls jetzt noch nicht. Er hat den Vorteil, dass er wegen seiner Jugend den Niedergang im Silicon Valley nach dem ersten Internet-Boom nicht erlebt hat. "Dadurch ist er viel gelassener", sagt Paypal-Gründer Peter Thiel, der als erster Wagnisfinanzierer in Facebook investierte. Laut Thiel, der auch im Aufsichtsrat von Facebook sitzt, wird das Unternehmen noch eine ganze Zeit eigenständig bleiben. "Mark will das Unternehmen groß machen", sagt Thiel.

Im Web 2.0 sind Business-Pläne wieder Nebensache. Den mit viel Mühe » ausgearbeiteten Geschäftsplan von Jajah, einer österreichischen Telefongesellschaft, blätterte Wagnisfinanzier Haim Sadger nur kurz mit dem Daumen durch: "Business-Pläne lesen wir nicht" (siehe Seite 164). Er wollte lieber das Produkt sehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Ist das schon wieder Hype?

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