Die größte Herausforderung wird sein, den im Internet gestarteten Versuchsballon Youtube weiter mit Luft zu füllen - also weitere Nutzer zu gewinnen. Ähnlich geht es Murdochs Mannen bei Myspace. Und Ebay
hat bereits Kopfschmerzen mit der Übernahme von Skype. Nach außen wird der Kauf des Internet-Telefonanbieters immer noch als Erfolg verkauft, tatsächlich bleibt Skype unter den Erwartungen. Der Skype-Ballon ist nicht dehnbar genug. Die Software ist zu geschlossen, ein durch Marketingkampagnen provozierter Massenansturm von Testkunden brachte die Gesprächsqualität für alle Nutzer herunter.
Wird Web 2.0 also eine Blase sein, die zwar nicht platzt, aber langsam erschlafft? "Der Unterschied zum Crash im Jahr 2000 ist fundamental - heute wird der Boom von sehr vielen Kunden und hohen Profiten getragen", argumentiert der Internet-Multiunternehmer Bill Gross, der das Werbemodell erfunden hat, mit dem Google
groß wurde. Ende der Neunzigerjahre bestand nur die Hoffnung, Online-Kunden zu ergattern und eventuell Gewinn zu machen.
Auch Anthony Perkins sieht noch keine Blase am Horizont. "Heute sind wir noch » im gesunden Bereich", meint der Verfasser des im November 1999 veröffentlichten, desillusionierende Buches "The Internet Bubble", das den baldigen Zusammenbruch der US-Technologiebörse Nasdaq
und vieler Internet-Startups prophezeite. Vier Monate später begann die Talfahrt und löste die schlimmste Krise in der Geschichte des Silicon Valley aus. Perkins glaubt, dass es genügend etablierte Unternehmen im Mediensektor gebe, die nach guten Ideen und übernahmewilligen Startups gieren.
Es gibt noch ein anderes düsteres Szenario. Der derzeitige Boom im Internet wird von Werbung gespeist. Besonders Anzeigen in Suchmaschinen dominieren das Geschäft. Der Mangel an gutem Anzeigenplatz treibt nicht nur die Preise in die Höhe. Hinzu kommt Klickbetrug. Schon entdecken Unternehmen klassische Medien wieder, bei denen Anzeigenplatz teilweise zu Schnäppchenpreisen verhökert wird. Yahoos
Anzeigenmaschine ist bereits ins Stottern gekommen. Während der Bedarf für suchbasierte Anzeigen weiter groß ist, nimmt er bei Banneranzeigen ab. Yahoo
musste dort erstmals seit Langem einen Rückgang beim Wachstum hinnehmen.
Marktbeobachter werten als gutes Zeichen, dass die Youtube-Gründer und ihr Wagnisfinanzierer sich in Aktien haben auszahlen lassen. Angeblich geschah das aus Steuergründen. Es kann jedoch auch sein, dass Wagnisfinanzierer Sequoia, dem große Teile von Google
und Youtube gehören, auf ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft mit Werbung setzt. Das würde den Aktienkurs von Google
nochmal kräftig nach oben treiben. Noch ist die Suchmaschine nur knapp die Hälfte von Microsoft
wert. Aber das kann sich ändern.
Besonders wenn das Silicon Valley weiter fröhlich bubbelt.
