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16.03.2007 
Unternehmensgründung

Kapital für Ideen

von Brigitte von Haacke, Wirtschaftswoche

Nach dem Platzen der New-Economy-Blase lag die Venture-Capital- Szene in Deutschland am Boden. Langsam berappelt sie sich wieder. Wo Gründer in Deutschland heute wieder Geld bekommen.

Wer bei Geldgebern anklopft, sollte vorher sein Konzept für die Geschäftsidee zu Papier gebracht haben. Foto: dpaLupe

Wer bei Geldgebern anklopft, sollte vorher sein Konzept für die Geschäftsidee zu Papier gebracht haben. Foto: dpa

Der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können. Als Harpreet Singh, Toni Weinschenk und Niels Emmerich im Mai 2002 ihren ersten Businessplan schrieben, herrschte Katerstimmung bei deutschen Gründerfinanzierern. Der Neue Markt war kollabiert, viele Investoren hatten Millionen verloren und verspürten wenig Lust, dem neues Geld hinterherzuwerfen. Dabei hatten Singh, Weinschenk und Emmerich eine wirkliche Innovation vorzuweisen: ein Verfahren, mit dem sich Impfstoffe für verschiedene Krebsarten entwickeln ließen. Die Tübinger Forscher hatten ihr Unternehmen Immatics zwei Jahre im Schutz der Universität vorangetrieben, jetzt brauchten sie mehr Geld, um weiterzukommen.

Die drei Gründer konnten zunächst zwar keinen Risikokapitalgeber finden, dafür aber einen privaten Finanzier für ihr Projekt begeistern. Hansjörg Weitbrecht, der zuvor Bücher wie "Momo" verlegt hatte, gab den drei Immunologen 200 000 Euro Startkapital. Singh: "Das war für uns enorm viel Geld." Genug jedenfalls, um die Zeit bis zur ersten großen Finanzierungsrunde zu überbrücken und eine professionelle Roadshow bei Risikokapitalgebern zu starten. Über eineinhalb Jahre später, im Februar 2004, kam der Erfolg: Mit 8,3 Millionen Euro finanzierten die Risikokapitalgesellschaften Wellington und 3i die weitere Entwicklung. Vergangenen Monat sattelte Immatics noch einen drauf: Mit 40 Millionen Euro sicherte sich das Tübinger Biotech-Unternehmen die größte Folge-Finanzierung seit dem Platzen der Technologie-Blase.

Was den Immatics-Forschern gelungen ist, hatte in den vergangenen Jahren eher Seltenheitswert. Seit die New Economy implodierte, bekamen Jungunternehmer in Deutschland kaum noch Geld. Genauso erging es den Venture-Fonds. Keine Branche stürzte nach dem Dotcom-Hype so ab wie die deutschen Startup-Finanzierer. Andreas Wilde, Partner bei der Münchner Dachfondsgesellschaft VCM: "Bei den deutschen Venture-Capital-Gesellschaften gab es nach der Krise eine starke Marktbereinigung." Doch selbst die verbliebenen Fonds haben es noch schwer, bei Investoren Geld einzuwerben. Die Stimmung bessert sich nur langsam "auf neutral bis positiv", sagt Rolf Dienst, Gründungspartner des Münchner Risikokapitalgebers Wellington. Damit bessern sich auch wieder die Chancen für Startups, finanzstarke Partner für ihre Pläne zu finden.

In der Statistik zeigt sich die Trendwende noch nicht: Haben deutsche Risikokapitalgeber 2001 noch über 2,5 Milliarden Euro in junge Unternehmen investiert, waren es im vergangenen Jahr weniger als eine Milliarde. Dennoch ist Uwe Fleischhauer, Partner bei der Münchner Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP), optimistisch: "Wir sehen derzeit eine Erholung auf einer niedrigen Basis." Schon in diesem Jahr dürfte sich das Klima für Gründer sichtbar bessern, prophezeit er, 2008 dann werde es richtig aufwärtsgehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer von großen Venture-Capital-Gesellschaften Geld bekommen will, muss in der Regel eine überragende Geschäftsidee haben.

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