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28.09.2008 
Patentklau

Raubkopien werden Sicherheitsrisiko

von Andreas Pankratz

Am 8. September 1989 stürzt ein Flugzeug der Norwegischen Partnair an der Dänischen Küste ins Meer. Alle 50 Passagiere und fünf Crewmitglieder sterben. Partnair, bereits finanziell angeschlagen, verschwindet vom Markt. Untersuchungen an der Unglücksmaschine ergeben, dass gefälschte Schrauben am Heck den Absturz verursacht haben. Über Patentklau und dessen gefährliche Folgen.

Kampf gegen Kopien: Die Schaeffler KG hat im vergangenen Jahr 40 Tonnen gefälschte Wälzlager vernichten lassen. Foto: APLupe

Kampf gegen Kopien: Die Schaeffler KG hat im vergangenen Jahr 40 Tonnen gefälschte Wälzlager vernichten lassen. Foto: AP

DÜSSELDORF. Das Problem der Produktpiraterie betrifft schon lange nicht mehr nur Konsumgüter wie Handtaschen, Uhren und Laufschuhe. Vielmehr sind auch industrielle Vorprodukte beliebte Vorlagen. Mit der Folge, dass der gewerbliche Einsatz von Plagiaten neben dem wirtschaftlichen Schaden des Originalherstellers auch zu einem unüberschaubaren Sicherheitsrisiko für den Kunden werden kann. Das belegt auch eine Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA). Demnach sind rund fünf Prozent der von Produktpiraterie betroffenen Investitionsgüterhersteller durch Sicherheitsmängel auf Plagiate ihrer Produkte aufmerksam geworden.

"Auf den ersten Blick ist das keine besonders hohe Zahl - hoch genug, um sie ernst zu nehmen, ist sie allemal", sagt Marc Wiesner, Experte für Produktpiraterie beim VDMA. Zumal der Jurist davon ausgeht, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist: "Wenn Sicherheits- und Qualitätsmängel bei Plagiaten auftreten, merkt der Hersteller des Originalproduktes häufig nichts davon." Kein Wunder, denn welcher Anwender gibt schon freiwillig zu, eine gefälschte Maschine oder ein minderwertiges Ersatzteil verwendet zu haben?

Qualifizierte Angaben, wie viele Betriebsunfälle in Deutschland auf Plagiate zurückgehen, gibt es nicht. Sicher ist aber, dass gefälschte Ware für den gewerblichen Gebrauch auch hierzulande im Umlauf ist. Zum eigenen Leidwesen musste das die Wagner-Gruppe, Hersteller für Anlagen zum Auftragen von Lacken und Farben aus dem badischen Markdorf, feststellen. Vor zwei Jahren ließ der Marktführer auf der Fachmesse PaintExpo in Karlsruhe per Gerichtsvollzieher kopierte Farbpistolen und Prospekte eines chinesischen Herstellers konfiszieren.

"Bevorzugt werden Produkte kopiert, die eine besondere Markt-Reputation und ein gutes technisches Image haben", sag Leopold von Keudell, Leiter des Bereiches Geschäft, Entwicklung und Innovation bei Wagner. Der macht darauf aufmerksam, wie gefährlich die minderwertige Ware sein kann: "Die Anlagen arbeiten mit Hochspannung - gerade im Umgang mit Flüssiglacken bergen Plagiate deshalb ein hohes Unfallrisiko." Denn während die Originalprodukte ständigen Qualitätskontrollen unterliegen, kann der Einsatz der gefälschten Spritzanlagen schlimmstenfalls zu Stromschlägen führen. "In China sind sogar Plagiate von Plagiaten unserer Produkte im Umlauf - wir müssen davon ausgehen, dass auch Personen zu Schaden kommen", sagt von Keudell.

Doch auch hierzulande finden kopierte Maschinen ihre Kunden, die sich den Gefahren oftmals nicht bewusst sind. Nach der VDMA-Studie landen 17 Prozent der Plagiate in Deutschland, das damit hinter China den unrühmlichen zweiten Platz belegt. Die Schaeffler Gruppe zum Beispiel hat im vergangenen Jahr 40 Tonnen gefälschter Wälzlager eines fränkischen Händlers mit einem Marktwert von rund acht Mill. Euro vernichtet. "Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass Marken- und Produktpiraterie kein Phänomen ist, das sich auf China oder Südosteuropa beschränkt, sondern hier vor unserer Haustür stattfindet", sagt Ingrid Bichelmeir-Böhn, Anti-Piraterie-Koordinatorin bei Schaeffler. "Und das Problem ist unverändert akut. Wir stellen sogar fest, dass der Handel mit Fälschungen auch in Europa weiter zunimmt."

Neben juristischen Maßnahmen gegen Urheberrechts- und Patentverstöße suchen die Hersteller zunehmend nach technischen Lösungen, um ihre Produkte für Anwender von Plagiaten unterscheidbar zu machen. Und damit für mehr Sicherheit zu sorgen: "Fälschungsschutzsysteme kommen bislang zum Beispiel bei Medikamenten zum Einsatz, wo unmittelbar Menschenleben in Gefahr sind", sagt Thomas Völcker, Vertriebsleiter bei Schreiner Prosecure, einem Hersteller für Originalitätsschutzsysteme. "Aber auch Automobilzulieferer und Maschinenbauer arbeiten an dem Thema."

Auch Lackieranlagenbauer Wagner hat reagiert und kennzeichnet nicht mehr nur Komplettsysteme, sondern auch Verschleiß- und Ersatzteile mit seinem charakteristischen Firmenlogo - denn auch die werden längst gefälscht.

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