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05.06.2008 
Business-Wissen

Abschwung als Chance

von Bert Fröndhoff

Wann der beste Zeitpunkt für eine Übernahme ist, darüber streiten Firmen und Wisenschaft schon lange. Zwei neue Untersuchungen zeigen nun: Fusionen haben bessere Erfolgsaussichten, wenn sie in Phasen eines Konjukturrückgangs gestartet werden - und nicht im Boom.

DÜSSELDORF. Die Übernahmewelle rollt weiter. Den jüngsten Beweis dafür lieferte gestern der Autozulieferer Robert Bosch: Mehr als eine Mrd. Euro bietet das Unternehmen für die Komplettübernahme des Solartechnikspezialisten Ersol. Der Preis ist stattlich, doch die Gelegenheit günstig – zumindest, wenn man der jüngeren Mergers-&-Acqusitions-Forschung folgen mag. Deren Erkenntnis lautet kurz gefasst: Fusionen und Übernahmen, die in konjunkturell schwächeren Phasen eingeleitet werden, haben bessere Chancen, für das Käuferunternehmen Wert zu schaffen.

Die Boston Consulting Group (BCG) hat diesen Effekt in einer aktuellen Untersuchung von 408000 Fusionen und Übernahmen zwischen den Jahren 1981 und 2007 festgestellt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Towers Perrin in einer ebenfalls neuen Studie. Laut beiden Consultingfirmen befinden wir uns derzeit in einer Abschwungphase, in der Unternehmen Zukäufe nicht scheuen sollten. Die BCG-Untersuchung ergab: Transaktionen bei schwacher Konjunktur – bei einem Wirtschaftswachstum von weniger als drei Prozent – schaffen für das Käuferunternehmen einen Wertzuwachs, der im Schnitt 14,5 Prozent höher liegt als bei M&A in Boomphasen . Zudem würden berechenbar höhere Renditen erzielt.

Das kann man natürlich zum Teil damit begründen, dass die Kaufpreise in einer Abschwungphase deutlich niedriger sind als im Boom. Doch die BCG-Experten erklären den Effekt nicht allein mit diesem Grund, sondern auch damit, dass die Käufer in einer schwächeren Phase die Übernahmeziele besser auswählen und genauer prüfen würden. In Abschwungphasen werde also genauer hingeschaut – etwa auf solche Firmen, die trotz ihres Potenzials derzeit nur schwache Renditen erwirtschaften und das Zeug zur Wertsteigerung bieten.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt Towers Perrin mit der Londoner Case Business School. Sie analysierten rund 38 000 Fusionen und Übernahmen seit 1988 auf den Wertzuwachs für die Käuferfirma. Auch ihr Ergebnis lautet: M&A als Wertvernichter anzusehen ist ein zu pauschales Urteil. Es komme immer auf den Moment an.

Während des Jahres nach einer wirtschaftlichen Hochphase gestartete Übernahmen schufen der Analyse zufolge im Schnitt mehr Aktionärsvermögen als die während des Booms durchgeführten. 2008 werde also ein gutes Jahr für Übernahmen und Fusionen, lautet das Fazit von Towers Perrin. Die Unternehmen sollten sich also nicht zu sehr zurückhalten.

Das sieht auch BCG so, ergänzt seine Ergebnisse aber: Besonders lohnenswert sei der Kauf von Konzernteilen, also von Geschäften,die von einem Mutterunternehmen abgespalten werden. Den Berechnungen zufolge erzielen 57,5 Prozent der Käufer von Konzernteilen positive Erträge. Beim kompletten Kauf börsennotierter Unternehmen sind es dagegen nur 41,7 Prozent.

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