Deutsche Unternehmen ziehen weitreichende Konsequenzen aus der Fülle von Wirtschaftsskandalen der jüngsten Zeit. Vor allem die Schmiergeldaffäre der Siemens
AG hat tiefe Spuren hinterlassen. So haben fast alle Dax-Konzerne in den vergangenen Monaten umfangreiche Compliance-Organisationen aufgebaut, um Vorfälle wie bei Siemens
zu verhindern.
Fast zwei Drittel der Firmen mit über 5 000 Mitarbeitern gab danach an, in letzter Zeit verstärkt anwaltlichen Rat wegen der wachsenden Anforderungen in Anspruch genommen zu haben. Bei kleinen (bis 500 Mitarbeiter) und mittleren Unternehmen sieht das nicht anders aus. Zusammengerechnet suchten hier über 60 Prozent verstärkt den Rat der Juristen. Compliance bedeutet eine Unternehmensführung, die sich an Gesetze und Richtlinien hält.
So hat Thyssen-Krupp in den vergangenen Monaten ein völlig neues Compliance-System aufgebaut. Weltweit sind inzwischen 430 Mitarbeiter für Fragen rechtlich einwandfreier Unternehmensführung zuständig, beraten ließ sich der Konzern unter anderem von der Kanzlei Hengeler Mueller. Thyssen-Krupp nennt zwei Gründe für die umfangreiche Neuorganisation: die Kartellstrafe der EU, die Thyssen vor gut einem Jahr 480 Mill. Euro kostete, und die Erschütterung über die erheblichen Folgen der Siemens
-Affäre.
Auch die Deutsche Bahn hat ihr Compliance-System erweitert, sie nahm dafür sogar den ehemaligen Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner unter Vertrag. Er hatte zuvor bei der Staatsanwaltschaft der Main-Metropole die bundesweit erste Schwerpunktabteilung zur Korruptionsbekämpfung aufgebaut.
Bereits zu Jahresanfang hatte der Risikoreport der Unternehmensberatung Ernst & Young prognostiziert, dass Compliance-Fragen zur größten strategischen Herausforderung für Unternehmen in diesem Jahr werden dürften.
