Der Fall Siemens
belegt die enormen finanziellen Auswirkungen, die Compliance-Themen zur Folge haben können. Zahlreiche große und kleine Anwaltskanzleien profitieren vom Großauftraggeber Siemens
. Ganze Heerscharen von Experten durchforsten den Konzern immer noch nach neuen Korruptionsfällen und helfen bei der Verbesserung der Compliance-Systeme.
Allein im vergangenen Quartal überwies der skandalgebeutelte Konzern 175 Mill. Euro an externe Berater. Auch im laufenden Quartal dürfte es nach Einschätzung in Branchenkreisen nicht viel weniger sein.
Damit will das Unternehmen auch ein Signal an die US-Börsenaufsicht SEC senden, die wegen der Affäre eine Milliardenstrafe verhängen könnte.
Wie viele Anwälte der New Yorker Kanzleien Debevoise & Plimpton und Davis Polk & Wardwall für Siemens
arbeiten, gibt der Konzern nicht bekannt.
Hierzulande gilt ein Stundensatz von 300 bis 500 Euro für einen guten Wirtschaftsanwalt als angemessen. Spitzenanwälte erreichen 600 Euro und mehr, in dieser Preisklasse dürften sich viele der US-Anwälte bewegen, die Siemens
beschäftigt. "Da muss eine Armada von ihnen unterwegs sein", sagt ein Anwalt.
Jobst Bauer, -Hubertus Partner der Kanzlei Gleiss Lutz, bezeichnet die finanziellen Dimensionen im Fall Siemens
als Sondersituation. Den Münchenern sitze die SEC im Nacken, die US-Börsenaufsicht stelle extrem hohe Anforderungen, der Beratungsbedarf steige damit deutlich.
Vorreiter und Vorbild für viele Unternehmen ist die Daimler AG. Sie sah sich im Zuge einer Korruptionsaffäre ebenfalls dem Druck der US-Börsenaufsicht SEC ausgesetzt und beauftragte von 2004 an die amerikanische Kanzlei Skadden mit den internen Untersuchungen. Für die Folgen des Skandals musste Daimler allein im Jahr 2006 Rückstellungen in dreistelliger Millionenhöhe bilden.
Der Fall Siemens
vor Gericht
Siemens
wird seit 2006 von mehreren Korruptionsaffären erschüttert. Am Montag hat der erste Prozess gegen einen Ex-Manager des Konzerns mit einem Geständnis begonnen. Der 57-jährige Reinhard S. räumte vor dem Münchener Landgericht ein, er habe mit einem System aus Scheinberaterverträgen Gelder für Provisionszahlungen gesammelt. Zugleich belastete der frühere Manager der Festnetzsparte ICN seine damaligen Vorgesetzten. "Der komplette Bereichsvorstand war natürlich informiert, dass diese Tätigkeit von mir vorgenommen wurde", sagte S.
