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20.05.2008 
Business-Wissen

Aus Erfahrung klug

von Anja Müller

Unternehmen lagern immer häufiger Kernbereiche ihres Geschäfts nach Asien oder Osteuropa. sie wprechen vom Offshoring, vom Outsourcing, doch nicht immer ist klar, ob die Verlagerung oder Auslagerung auch was bringt.

Über Offshoring und Outsourcing gibt es vor allem eines: Viele Vorurteile. Mit ihrer empirischen Studie bei 119 deutschen und amerikanischen Unternehmen haben nun aber Thomas Hutzschenreuter, Professor an der Wissenschaftlichen Hochschule in Vallendar und seine Doktoranden, Stephan Dresel und Wolfgang Ressler genug Zahlenmaterial zusammengetragen, damit aus Vorurteilen Urteile werden. Die Studie ist als Buch "Offshoring von Zentralbereichen" im Springer Verlag erschienen.

Die allermeisten Unternehmen haben zuerst auf die geringen Lohnkosten geschielt, als sie mit dem Auslagern von Geschäftsbereichen begannen. Doch die Einflussfaktoren sind viel zahlreicher als gedacht, wenn es um so weit reichende Entscheidungen wie Offshoring und /oder Outsourcing geht. Zur Abgrenzung: Offshoring bedeutet zunächst erst einmal die örtliche Auslagerung betrieblicher Leistungen. Werden diese Leistungen von Dritten geleistet, handelt es sich um Outsourcing. Viele gehen davon aus, dass Offshoring meist mit einem Outsourcing einhergeht, das ist aber weder immer richtig, noch immer sinnvoll, sagt Hutzschenreuter.

Und er räumt noch mit ein paar weiteren Vorurteilen auf: So haben in der Vergangenheit viele Unternehmen ihre IT nach Indien oder Polen verlagert. Informationstechnologie spielte damit eine Vorreiterrolle beim Thema Offshoring. Doch Hutzschenreuter warnt: "Die Unternehmen sollten diejenigen Geschäftsbereiche in der eigenen Hand behalten, die über Innovationspotenzial verfügen und da gehört die IT in immer mehr Unternehmen dazu". Heute ist die IT für die allermeisten Geschäftsfbereiche zum Beispiel eines Automobilzulieferers ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Innovationen anzustoßen. Innovationspotenzial und Kostenersparnis müssen dafür aber vorher genau erfasst werden. Das passiert aber offenbar nicht immer in den Unternehmen, zeigt die Studie. Die Unternehmen sollten sich daher fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, die IT auszulagern.

Darüber hinaus ist Offshoring nicht nur etwas für Großkonzerne, sagt Hutzschenreuter. Heute gebe es sogar kleine Unternehmen, die bereits in ihrem Businessplan auf verlagerte Geschäftsbereiche verweisen. Mit vielen Daten belegen die Wissenschaftler darüber hinaus, dass das Motto "Andere Länder, andere Sitten", richtig teuer ist. So haben sie ausgerechnet, dass die Unternehmen im Schnitt die größten Kosteneinsparungen (40 Prozent) erreichen, wenn sie mehrere Funktionen auslagern, sich aber dabei auf ein Land fokussieren.

Werden dagegen gleich mehrere Funktionen verlagert und diese auch noch in verschiedene Länder schmilzen die Kostenvorteile deutlich (23 Prozent). Hutzschenreuter: "Es ist viel komplexer und damit auch teurer mit einer Funktion in mehrere Länder zu gehen, als zunächst mal eine bzw. mehrere Funktionen in ein Land zu verlagern." Das Problem aus Sicht Hutzschenreuters: "Viele Unternehmenschefs reagieren wie Getriebene bei dem Thema, anstatt sich kühl und langfristig zu fragen, was die Verlagerung wirklich bringt."

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