Aber noch längst nicht alle Chefs messen der Kommunikation tatsächlich eine strategische Bedeutung bei. „Auch ein Pressesprecher mit noch so starker Persönlichkeit und guter Ausbildung kann nichts ausrichten, wenn seine Funktion drei Ebenen unter der Geschäftsführung angesiedelt ist“, urteilt der Krisenberater Johst. Jörg Forthmann, Chef der PR-Agentur Faktenkontor aus Hamburg ergänzt: „In den meisten Unternehmen darf an den Vorstandssitzungen kein Pressesprecher teilnehmen. Auf den wirklich wichtigen firmeninternen Mail-Verteilern steht der Pressesprecher fast nie.“ Die Folge: Das Sprachrohr des Unternehmens weiß nie frühzeitig über die Entwicklungen des Hauses Bescheid – was seine Kompetenz entscheidend schwächt. Forthmann: „Und das wiederum wirkt sich negativ für das Standing der Presseabteilung in der Firma aus.“
Dabei: Den Unternehmenslenkern ist nicht bewusst, wie viel wertvolle Informationen ihnen ein Pressesprecher liefern könnte – wenn man ihm denn zuhören würde. Dem entspricht der Frust der Sprecher. Nur 32 Prozent von ihnen stimmen der Aussage „Ich kann gegenüber der Geschäftsführung ehrlich argumentieren“ zu.
Die Presseverantwortlichen von kleinen und mittleren Unternehmen klagen immer wieder darüber, dass ihnen die Hände gebunden sind. Dass sie die Presse gerne informieren würden, ihre Chefs aber Angst vor zu viel Öffentlichkeit haben.
Zuweilen wollen auch Firmen – meist sind es Familienunternehmer – partout keine Informationen veröffentlichen. Auch im Handel gibt es beispielsweise noch immer Unternehmen, die am liebsten gar nicht mit der Presse sprechen. Lidl hat erst vor kurzem einen Sprecher eingestellt, bei Aldi steht diese Entscheidung noch immer aus.
