Nahezu zeitgleich hat Professor Hans Haarmeyer vom Rhein-Ahr-Campus, Remagen, im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Qualitätsrating für Insolvenzverwalter entwickelt, das von "single A" bis "triple A" reicht. Der von den Wissenschaftlern entwickelte Rating-Fragebogen erfasst Kriterien von der persönlichen Qualifikation der Verwalter über operative Kenndaten wie der Zahl der eröffneten Verfahren und der erzielten Quoten bis hin zur Infrastruktur der Verwalterbüros und der Transparenz der Abwicklung. "Mit diesem Rating gibt es im zunehmenden Wettbewerb unter Insolvenzverwaltern endlich mehr Transparenz, und es wird möglich sein, die Spreu vom Weizen zu trennen", verspricht Haarmeyer.
Doch Verwalter Michael Pluta winkt ab. "Das Rating hängt entscheidend davon ab, welche Verfahren dem Insolvenzverwalter in der Vergangenheit überantwortet wurden. Im Extremfall kann aber bereits eine quotale Befriedigung der Gläubiger von einem Prozent gut sein, während andererseits eine Quote des Verwalters in Höhe von 50 Prozent schlecht sein kann", sagt Pluta
Aber auch die Insolvenzrichter selbst bleiben von Kritik nicht verschont. "Die größte Schwachstelle im System ist, dass die Insolvenzrichter den Insolvenzalltag vor den Toren nicht kennen und deshalb sehr formalistisch arbeiten. Sie erhalten über die Berichte der Verwalter eben nur ein sehr gefärbtes Bild von der Wirklichkeit", bemängelt Rechtsanwalt Thomas Hoffmann von Nörr Stiefenhofer Lutz, Berlin. Er fordert deshalb: "Was wir brauchen, ist ein Entscheidungsgremium, das aus der Praxis kommt."
Bemängelt wird von den Praktikern zudem, dass die Insolvenzverfahren zu lange dauern und die Gerichte für die Prüfung der Schlussrechnungen oft Jahre brauchen, weshalb sich die quotale Auszahlung an die Gläubiger verzögert. Ein Insolvenzverwalter, der seinen Namen in dieser Zeitung nicht lesen möchte: "Bei mir liegen derzeit - auf 5 500 Konten verteilt - insgesamt 240 Mill. Euro, auf die die Gläubiger bis zu drei Jahre warten müssen."
