Spätestens bis 2010 sollen die Jahresabschlüsse der führenden deutschen Aktiengesellschaften mindestens einmal von der im vergangenen Jahr gestarteten "Bilanzpolizei" geprüft werden.
HB BERLIN. Pro Quartal will die DPR künftig etwa 30 bis 40 Bilanzen unter die Lupe nehmen. Damit könnten alle Unternehmen aus dem wichtigsten Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax innerhalb von vier bis fünf Jahren geprüft werden und die der übrigen Gesellschaften innerhalb von acht bis zehn Jahren, sagte der Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), Eberhard Scheffler, am Montag in Berlin. Die Prüfungen würden stichprobenartig nach dem Zufallsprinzip durchgeführt.
In den ersten sechs Monaten ihres Bestehens leitete die von der Bundesregierung gegründete DPR bereits 50 Prüfungen ein. Bei zwei Unternehmen entdeckten die Prüfer Missstände in der Bilanz.
"Allein die Tatsache, dass es uns gibt, wirkt schon präventiv", sagte Eberhard Scheffler, der Präsident der Prüfungsstelle, heute in Berlin bei der Vorlage des ersten Tätigkeitsberichts. Zudem würde der Kapitalmarkt Druck machen, wenn Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung aufträten. Schließlich stehe auch der Wirtschaftsprüfer im Rampenlicht, der sich im Zweifelsfalle vor der Berufsaufsicht verantworten müsse.
Allein in dem Abschluss der Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques
Industries seien neun Fehler gefunden worden, sagte Vizepräsident Axel Berger. Die Prüfungsergebnisse wurden an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) weitergeleitet, die eine Veröffentlichung veranlasste.
Die DPR war nach den Bilanzskandalen in den USA und am Neuen Markt zur Verbesserung des Anlegerschutzes ins Leben gerufen worden und arbeitet eng mit der BaFin zusammen.
Die von den Unternehmen finanzierte Gesellschaft prüft die Bilanzen nach Hinweisen aus der Öffentlichkeit oder der BaFin. Zudem werden die Abschlüsse der über 1 200 börsennotierten Unternehmen stichprobenartig untersucht.
Link:
http://www.frep.info/
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bilanzierungsstandard IFRS kritisiert
Die DPR sieht ihre Kontrollarbeit durch die großen Ermessensspielräume in den gebräuchlichen internationalen Bilanzierungsstandards erschwert.
Der so genannte "faire Wert" (Fair Value) bei Bewertungen nach dem International Financial Reporting Standard (IFRS) lehne sich häufig nicht an einen Marktwert an, bemängelte Eberhard Scheffler bei der Vorstellung eines ersten Arbeitsberichts. Daraus ergebe sich die Gefahr ausufernder Ermessensspielräume, kritisierte Scheffler.
Auch gebe es großen Spielraum beim Begriff der Herstellungskosten: "Die Standards sind sehr uneinheitlich formuliert." Auch bei den Pensionsrückstellungen sieht die DPR wie beim Vorgänger-Standard IAS (International Accounting Standard) Probleme.
Streit mit Arques
um Ergebnis der Bilanzprüfung
Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hatte neun Punkte im Jahresbericht 2004 von Arques
beanstandet und hält diese im Gegensatz zu Arques
für ergebnisrelevant. "Dass die Fehler ergebnisneutral sind, ist definitiv falsch", sagte Prüfstellen-Präsident Eberhard Scheffler. Wie hoch eine mögliche Differenz ausfalle, wollte er nicht sagen. "Das, was Arques
im Internet veröffentlicht hat, ist gelinde gesagt sehr abenteuerlich", betonte der oberste Bilanzpolizist.
Auf ihrer Website hatte die Starnberger Firma auf Druck der Bundesansalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Prüfbericht veröffentlicht und ihn um eigene Kommentare erweitert. Die Behörde prüfe nun, ob die Art und Weise der Veröffentlichung den Vorschriften entspreche, sagte eine Bafin-Sprecherin.
Arques
-Vorstand Martin Vorderwülbecke beharrte auf seiner Position. "Wir sind mit der DPR völlig einer Meinung, aber das führt nicht dazu, dass wir den Gewinn höher oder niedriger ausweisen", sagte er auf Anfrage.
Die auf den Kauf und die Sanierung von angeschlagenen Firmen spezialisierte Arques
hatte für 2004 einen Gewinn von 38,7 Millionen Euro ausgewiesen. Ein Großteil der Gewinne stammt aus Bewertungsunterschieden beim Kauf oder Verkauf von Firmen.
Die im Kleinwertesegment SDax gelistete Aktie von Arques
verlor bis zum Nachmittag über sieben Prozent.
