0 Bewertungen
23.05.2006 
Karriere

Chefsessel wird zum Schleudersitz

von Bert Fröndhoff

Es gab Zeiten, da waren Vorstandsvorsitzende auf Lebenszeit engagiert und mussten selbst bei schweren Fehlern nicht umgehend ihren Posten räumen. Das war einmal.

HB DÜSSELDORF. Der Druck von Investoren und Aufsichtsräten auf die Spitzenmanager ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, ihre Leistung wird wesentlich kritischer beäugt. Mit der Folge, dass die Stühle der Vorstandschefs und Chief Executive Officer heute so wacklig sind wie nie zuvor.

Dieser Trend lässt sich aus einer neuen Studie der Unternehmenberatung Booz Allen Hamilton ablesen, die jährlich die Fluktuation an der Spitze der 2 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt sowie zusätzlich bei 300 deutschen Unternehmen untersucht. Danach erreichte die Zahl der Wechsel im vorigen Jahr einen neuen Höchststand: Fast jeder siebte Vorstandsvorsitzende oder Chief Executive Officer (CEO) weltweit wurde ausgetauscht – dieser Wert ist binnen zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen.

Klaus-Peter Gushurst, Deutschlandchef von Booz Allen Hamilton, nennt zwei Gründe dafür: höhere Anforderungen an die Leistung der Chefs und härteres Durchgreifen der Aufsichtsräte. Diese Entwicklung treiben vor allem Investoren wie Private-Equity-Firmen und Hedgefonds voran, die schnelle Erfolge bei Gewinn- und Kursentwicklung verlangen. „Der Druck vom Kapitalmarkt wird weiter steigen“, erwartet Gushurst – dies wird auch die Arbeit in den Aufsichtsräten verändern.

Private-Equity-Firmen sind bereits in den Kontrollgremien vieler großer Mittelständler vertreten. Im kommenden Jahr wird ein Finanzinvestor voraussichtlich auch in den Aufsichtsrat eines Dax-Konzerns einziehen: Blackstone hat vor wenigen Wochen 4,5 Prozent der Aktien der Deutschen Telekom übernommen. Private-Equity-Firmen gehen nach Ansicht vieler Experten im Unterschied zu anderen Kontrolleuren mit einem klaren Auftrag in die Aufsichtsräte: Sie wollen sicherstellen, dass das Topmanagement die Gewinn- und Kursperformance des Unternehmens verbessert.

Auch deutsche Vorstandsvorsitzende spüren heute den wesentlich stärkeren Druck der Anteilseigner (siehe auch „Was der moderne CEO leisten muss“). Zwar wurden hier zu Lande im vorigen Jahr weniger Chefs ausgetauscht als im „Boomjahr“ 2004 – es traf 2005 noch etwa jeden elften Chef. Doch vor allem in Deutschland mussten Chefs wegen mangelnder Leistung gehen – mehr als die Hälfte aller Wechsel an der Vorstandsspitze wurde damit begründet, ergab die Untersuchung von Booz Allen Hamilton. Das wohl prominenteste Beispiel dafür ist Karstadt-Quelle: Mitten in der Krise machte der Konzern im Mai 2005 Thomas Middelhoff zum neuen Vorstandsvorsitzenden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neulinge machen sich als Vorstandschef besser als alte Hasen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 08:51 Uhr von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 05:21 Uhr von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige