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19.05.2004 

Deregulierung steht auch bei der Frage an, wer überhaupt beraten darf. Justizministerin Zypries will das Rechtsberatungsmonopol der Anwälte kippen. Der DAV hat schon einmal einen Gesetzesvorschlag vorgelegt. Der sieht aber eine Öffnung nur für die unentgeltliche Beratung vor. Ist das nicht ein bisschen wenig?

Kilger: Damit reagieren wir auf die neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten. Es gibt gute Gründe, die unentgeltliche Beratung aus sozialen Gründen karitativen Organisationen zu gestatten - auch der nachbarschaftliche Rat gehört dazu. Grenze muss aber die kostenpflichtige Beratung sein. Sie muss den Anwälten vorbehalten bleiben. Nur sie können unabhängig beraten, müssen eine Haftpflichtversicherung haben, nur sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und müssen eine Interessenkollision vermeiden.

Nach Ihrem Vorschlag dürften Banken und Versicherungen keinerlei Beratung betreiben. Was spricht dagegen, dass zumindest die dort tätigen Volljuristen Rechtsrat erteilen?

Kilger: Weil dort keine unabhängige Beratung erfolgen kann. Die Bank, die eine Oma erbrechtlich berät, hat natürlich dabei im Hinterkopf, dass das Geld am besten bei ihr angelegt werden sollte.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang gern von Verbraucherinteressen. Ein Punkt, der jedenfalls Verbraucher bis heute verwirrt, ist das Nebeneinander von Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkten sowie Fachanwaltstiteln. Gehört das System nicht entrümpelt?

Kilger: Die Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte sind ein Flop, das hat auch die Marktforschung erwiesen. Ob aber die derzeit tagende Satzungsversammlung ein besseres Konzept entgegensetzen kann, wage ich nicht zu prognostizieren.

Werden wenigstens die qualitätsgeschützten acht Fachanwaltstitel ausgeweitet?

Kilger: Ich mache mich für den Fachanwalt für Verkehrsrecht stark, das ist unser erstes Ziel.

Warum nicht eine völlig Freigabe?

Das klingt bestechend, ein Fachanwalt für Gartenzwergrecht, ist aber nicht praktikabel. Wie soll da die Qualität bei all den denkbaren Rechtsbereichen noch überprüfbar sein? Die Zukunft liegt in einer schrittweisen Ausweitung.

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