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18.01.2007 
Marketing

Der Chef ist Reklame-Läufer

von Lars Reppesgaard

Ein Ford-Chef, der lauthals ein Fahrzeug der Konkurrenz zum weltbesten Auto erklärt? Ein Microsoft-Vize, der sich in einer schwachen Stunde einen Computer vom Rivalen Apple Macintosh wünscht? Beides PR-Desaster. Manager müssen demonstrativ die eigenen Produkte nutzen – lassen sie es, schaden sie der Marke und vergrätzen Mitarbeiter.

Joachim Zeitz, Vorstandschef von Puma, ist konsequent: Für ihn gehören die hauseigenen Turnschuhe wie Jackett und Krawatte zur Arbeitsuniform. Foto: ap Lupe

Joachim Zeitz, Vorstandschef von Puma, ist konsequent: Für ihn gehören die hauseigenen Turnschuhe wie Jackett und Krawatte zur Arbeitsuniform. Foto: ap

Dass ein Top-Manager privat einen Lexus, ein Fahrzeug aus der Oberklassenreihe des japanischen Autobauers Toyota, fährt, ist unspektakulär. Es sei denn, dieser Manager hat gerade die Aufgabe übernommen, bei einem anderen Autokonzern das Ruder herumzureißen. Der neue Ford-Chef Alan Mulally sorgte deshalb nicht nur bei den Journalisten für Staunen, als er bei seiner Antrittspressekonferenz im vergangenen Herbst ausplauderte: Er selbst fahre privat keinen Ford, sondern Lexus – aus Überzeugung.

Zum Entsetzen der Marken- der Werbestrategen bei Ford legte Mulally in einem Interview noch nach: Er fahre einen Lexus, weil es das beste Auto auf der Welt sei, erklärte er. Da half auch der Hinweis nicht mehr, dass er den Traditionskonzern Ford dahin bringen wolle, wo die Japaner heute sind. Der Imageschaden, den Mulally durch den Boykott der eigenen Produkte angerichtet hatte, war immens. „Wenn gerade ein Top-Manager nicht zu seiner Marke steht, gibt er dem Konsumenten einen guten Grund, sich nicht mit ihr zu identifizieren“, urteilt Simonetta Carbonaro, Chefin der Markenberatung Realise Strategic Consultants in Karlsruhe. „Man sendet das Signal aus: Der Kunde ist gut beraten, nach Alternativen zu suchen.“

Trennung zwischen Beruf und Privatleben ist passé

Manager müssen sich klar machen: Sie selbst sind der oberste Markenbotschafter ihres Unternehmens. Und zwar unabhängig davon, ob sie eine Messe oder ein Restaurant besuchen, Geschäftstermine absolvieren oder auf dem Golfplatz entspannen. „Man erwartet von Unternehmern wie Managern, dass sie zu 100 Prozent hinter ihrem Produkt stehen und auch nach allen Seiten dokumentieren, dass es für sie nichts Besseres gibt“, beschreibt Klaus Brandmeyer, Chef der Brandmeyer Markenberatung in Hamburg. Und das Repräsentieren ist ein Vollzeit-Job. Schließlich stehen Top-Manager zunehmend im Licht der Öffentlichkeit. Die Trennung zwischen privater und beruflicher Existenz ist passé, weiß Markenexpertin Carbonaro.

Joachim Zeitz, Vorstandschef von Puma, ist dagegen konsequent: Für den Erfolgsmanager gehören die hauseigenen Turnschuhe wie Jackett und Krawatte zur Arbeitsuniform – selbst wenn er bei einer Gala mit strengem Dresscode einen Wirtschaftspreis entgegennimmt. „Die Bereiche Arbeit und Freizeit gehen heute fließend ineinander über, so dass ich bei der Auswahl meiner Outfits Sport, Lifestyle und Mode miteinander kombiniere“, erklärt er. Ein ähnlicher Überzeugungstäter ist Freenet-Chef Eckhard Spoerr, der selten ohne eine der grasgrünen Taschen anzutreffen ist, die sein Unternehmen als Werbegeschenk verteilt.

Manager, die sich kaum mit ihren eigenen Produkten zeigen, verweisen gerne darauf, dass es im Umfeld der Top-Entscheider eben bestimmte Dresscodes und Zwänge gebe. Für Brandmeyer ist das nicht genug. „Auch wenn der Brückenschlag manchmal kniffelig ist: Es gehört zu den Aufgaben von Managern, sich mit den eigenen Produkten zu identifizieren und sie demonstrativ zu nutzen.“ Brandmeyer führt als Beispiel einen Reemtsma-Vertriebsvorstand an, der jedes Lokal verließ, wo er keine Reemtsma-Zigaretten im Automaten entdeckte. Und bei Mitarbeitern von Coca-Cola sei es üblich, dass sie vor jeder Präsentation demonstrativ einen Schluck aus einer Cola-Flasche nehmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kik-Manager in Worker-Jeans für 7,99 Euro

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