Der Führungsstil deutscher Manager ist deutlich rüder geworden. Bereits 39 Prozent der Männer im mittleren Management bekennen sich dazu, je nach Situation autoritär zu führen. 1998 war es erst ein Viertel.
HANDELSBLATT. Managerinnen stehen ihnen da in nichts nach: Schon immer neigten sie häufiger zu autoritärem Führungsstil. Dies hat die Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff aus Hamburg in ihrer neuen Studie „Wer führt in (die) Zukunft? Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland“ festgestellt. Seit fast 20 Jahren untersucht sie regelmäßig das mittlere Management.
„Der kooperative Führungsstil hat abgewirtschaftet“, resümiert Bischoff im Gespräch mit dem Handelsblatt. Teamgeist spielt kaum eine Rolle mehr. Nur noch jeder Sechste setzt darauf – zuvor war es jeder Dritte. Stattdessen picken sich die Chefs einzelne Mitarbeiter heraus und fördern diese gezielt.
„Führung reduziert sich immer mehr auf Menschenführung“, so Bischoff. Unternehmerische Tugenden dagegen betrachten Manager nicht mehr als bedeutsam für ihre Karriere. „Ich habe eine extrem gewachsene Risikoscheu in deutschen Manageretagen festgestellt“, beklagt die Wirtschaftsprofessorin.
Karriereorientierte Manager betonen in der Studie Werte wie Charisma, Durchsetzungsvermögen und Mobilität. Für sie steht klar das eigene Fortkommen im Vordergrund. Eigenschaften wie Spaß an der Arbeit oder Mut, Chancen zu ergreifen, Wille zur Weiterbildung sowie Identifikation mit dem Unternehmen - damit charakterisieren sich ausschließlich Führungskräfte, die keine große Karriere anstreben. Bischoffs Fazit: „Unternehmen ist mit Managern, die nicht so karriereversessen sein, mehr gedient.“
In Bischoffs empirischer Untersuchung zum mittleren Management in Deutschland wurden je 1000 Männer und 1000 Frauen in Führungspositionen befragt.
Das komplette Interview mit Prof. Sonja Bischoff erscheint am Freitag in Karriere & Management K1
