0 Bewertungen
30.01.2007 
Financial Sourcing

Die Bank ist nicht die einzige Adresse

von Lars Reppersgaard

Wenn Unternehmen bislang frisches Geld brauchten, ließen sich die meisten von ihrer Hausbank und zwei bis drei weiteren Banken Angebote vorlegen. Meist lagen diese dicht beieinander. Echte Alternativen oder gar einen Wettbewerb der Finanzierungsinstrumente und ihrer Anbieter gab es nicht. Der aber zahlt sich aus.

Unternehmen, die auf mehrere Finanzierungsinstrumente setzen, können deutlich günstigere Konditionen herausholen.

Unternehmen, die auf mehrere Finanzierungsinstrumente setzen, können deutlich günstigere Konditionen herausholen.

DÜSSELDORF. Nur der Hausbank treu sein? Sich auf nur eine Bank verlassen? Das kommt für die H. & E. Reinert Westfälische Privat-Fleischerei aus Versmold – Jahresumsatz: europaweit 300 Millionen Euro – nicht mehr in Frage. Ihr Geschäftsführer, Dieter Brinkmeyer, hat sich lieber ein ganzes Bankenportfolio aufgebaut. Und zwar eine Hand voll Banken, die gleichwertig nebeneinander arbeiten und über ähnlich hohe Summen Kredite an die Westfalen vergeben haben. „Wenn wir neue Kredite aufnehmen, stehen diese Banken im Wettbewerb“, erläutert Brinkmeyer.

So wie er machen es immer mehr Unternehmenslenker. Das beobachtet Klaus-Martin Fischer, Finanzierungsexperte bei der Unternehmensberatung Rölfs Partner in Frankfurt. Immer mehr Firmen bauen ihre Expertise in Sachen Finanzierung aus, sagt er. „Vor allem die kaufmännischen Geschäftsführer sind es, die sich hier immer stärker qualifizieren und positionieren.“ Ihr Ziel ist das professionelle Beschaffen von Finanzmitteln, das so genannte Financial Sourcing.

Wenn Unternehmen bislang frisches Geld brauchten, ließen sich die meisten von ihrer Hausbank und zwei bis drei weiteren Banken Angebote vorlegen. Meist lagen die Angebote dicht beieinander. Echte Alternativen oder gar einen Wettbewerb der Finanzierungsinstrumente und ihrer Anbieter gab es nicht. Der aber zahlt sich aus, ermittelte Fischer bei einer Untersuchung von mehr als 40 Kundenprojekten: Unternehmen können mit diesem professionellen Finanzmanagement ihre Zinsen senken, erhebliche liquide Mittel freisetzen und ihren Unternehmenswert deutlich steigern.

Dazu gehört, zunächst den Kapitalbedarf auszuloten und anschließend die Konditionen zu optimieren, indem sie nicht nur auf das klassische Darlehen bei ihrer Hausbank setzen, sondern mehrere Banken an einem Kredit beteiligen oder Genussscheine ausgeben. „Je nach Branche erreicht man so eine Ergebnisverbesserung von 0,5 Prozent der Bilanzsumme und eine Steigerung des Unternehmenswertes um gut zehn Prozent“, so Fischer.

Zum Beispiel: Ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 200 Millionen Euro kann eine Million Euro mehr Ergebnis im Jahr und alleine dadurch eine Wertsteigerung von 17 Millionen Euro erzielen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Pool von zwölf Banken stellte Emsland-Stärke 125 Millionen Euro bereit.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 08:51 Uhr von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 05:21 Uhr von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige