Die Aussagen der Interviewten nähren den Verdacht, in der monströsen Unübersichtlichkeit globaler Konzerne blicke ohnehin nur noch eine Berufsgruppe durch. Schließlich gilt es, so Weber, „sich auf ein Komplexitätsniveau zu begeben, das die Führungskräfte verstehen.“
Die befragten Dax-Controller verstehen sich als kritischer Counterpart des Vorstands – sie gehören zu den wenigen, die den Finger in offene Wunden des Unternehmens legen dürfen. Beliebt machen sie sich im Unternehmen damit nicht gerade, das wissen auch die Top-Controller nur zu gut. Zitat: „Management heißt, den letzten Freund zu verlieren. Aber als Controller haben Sie gar keinen Freund, den Sie verlieren können.“ Solche Freiheiten kann sich nur erlauben, wer gewisse Hofnarren-Allüren mitbringt, sagt Controlling-Experte Deyhle.
Für diese Rolle geeignet sind allerdings keine Zahlenknechte, die sich am liebsten hinter Schichttorten und Balkendiagrammen verstecken. Gerade in Zeiten softwaregestützter Steuerungswerkzeuge zählt mehr denn je der gesunde Menschenverstand. Da muss der Controller die Vorstände auch schon mal zurückpfeifen können und diese von unreflektierter Zahlengläubigkeit abhalten. „Zu glauben, ich habe den ganzen Laden im Griff, wenn ich nur die Zahlen im Griff habe, ist Unsinn“, warnt Andreas Schüren, Geschäftsführer der Managementberatung Rölfs MC Partner aus Düsseldorf.
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Analytisch, kommunikativ und meinungsstark – so sollten Chef-Controller heute gestrickt sein. Geeignet hierfür sind nur jene, die eine offensive, nach außen gerichtete Rolle auch annehmen wollen, betont Siegfried Gänßlen, Vorsitzender des Internationalen Controller Vereins (ICV) und zugleich stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzchef des Sanitärtechnikherstellers Hansgrohe.
„Ein moderner Controller muss den Cholesterinspiegel im Unternehmen messen können. Und den erfährt er natürlich nur, wenn er seinen Schreibtisch verlässt und mit den Kollegen redet“, sagt Gänßlen. Vom Typ her muss er in der Lage sein, ein gutes betriebsinternes Netzwerk aufzubauen – nur so kann er blutleeren Zahlen Leben einhauchen.
Erfolgreich sein kann nur, wer auch über den Tellerrand des Unternehmens hinausschaut. Mit der Innenperspektive kann sich heutzutage ohnehin kein Controller mehr begnügen. Er muss vom Markt her denken können. Weber: „Controller müssen heute wissen, was der Wettbewerb macht oder wie welche Zahlen auf Analysten wirken.“
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