13.09.2006

Gleichstellung: Die Hosen haben Frauen schon mal an

Das sehr verschlossene spanische Kaufhaus El Corte Inglés muss wegen eines kritischen Zeitungsberichts seine Personalpolitik drastisch ändern. Vor allem auf ein höheres Gehalt können die weiblichen Angestellten hoffen. Immerhin wurde schon die Kleiderordnung an die neuen Zeiten angepasst.

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von Stefanie Müller

MADRID. Die Ecuadorianerin Carla Lorena ist froh, dass sie dem Ruf aus Spanien nicht gefolgt ist. Das größte Kaufhaus des Landes, El Corte Inglés, mit seinen 74 000 Angestellten warb in ihrem Land um Arbeitskräfte. 1 000 Euro netto monatlich und ein Visum versprach das Luxuskaufhaus. Lorena: „Das klang sehr verlockend.“ Doch sie hörte sich erst mal um, ob eine der umsatzstärksten Warenhausketten Europas auch hält, was sie versprach. Lorena: „Mir kam zu Ohren, das Haus zahle Frauen bis zu 20 Prozent weniger Lohn als Männern, Prämien gebe es ebenfalls nur für Männer, und man verfolge sexuelle Belästigungen von Frauen nur zaghaft.“ Daraufhin ließ sie es lieber sein.

Seit Jahren kritisieren Gewerkschaften wie UNI-Comercio die Personalpolitik des spanischen Handelsriesen. Wenngleich sich El Corte Inglés stets geschickt aus Gewerkschaftsattacken winden konnte. Denn die heimischen Medien gingen darauf – aus Angst, einen wichtigen Anzeigenkunden zu verlieren – nicht ein.

Doch weil das Gleichbehandlungsgesetz auch in Spanien bald gilt, hat sich das jetzt geändert. Das Wirtschaftsblatt „El Economista“ berichtete am Internationalen Frauentag im März über die Diskriminierung der weiblichen Angestellten durch den Konzern. Die Firma wurde daraufhin von allen Seiten – auch von Mitarbeitern in Internetforen – angeprangert. Der öffentliche Druck stieg, und El Corte Inglés blieb nichts anderes übrig, als mit den Gewerkschaften zu verhandeln.

70 Prozent der Verkäufer des renommierten Luxuskaufhauses sind weiblich. Doch nur fünf Prozent der Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. Die Wirtschaftszeitung „El Economista“ hat dies alles erstmals öffentlich ausgesprochen. „Jetzt ist der Stein ins Rollen gebracht“, urteilt auch Javier Cuartas von der Zeitung „El País“, der als erster Journalist eine umfassende Historie über das El Corte Inglés veröffentlicht hat.

„El Economista“ verlor zwar durch seine Schlagzeile einen wichtigen Anzeigenkunden, macht sich mit dem kritischen Artikel über El Corte Inglés jedoch einen Namen. Die Auflage schnellte hoch. Wenig später klagte die Regierung der Region Katalonien als erste politische Instanz wegen Frauen-Diskriminierung gegen den Konzern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für gleiche Arbeit spanienweit im Schnitt 30 Prozent weniger Lohn

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