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04.07.2008 
Plagiate

Die Lizenz zum Abkupfern

von Chris Löwer

BMW X5, Smart oder Mercedes: Aus China stammen verblüffend ähnliche Nachbauten von Produkten deutscher Unternehmen. Aus Angst vor Kopien melden viele deutsche Firmen in China keine Patente an – eine Blauäugigkeit, die teuer werden kann.

Verblüffend ähnlich: Ein BMW X5 (l) und ein chinesischer Geländewagen Shuanghuan CEO stehen nebeneinander. Foto: dpa Lupe

Verblüffend ähnlich: Ein BMW X5 (l) und ein chinesischer Geländewagen Shuanghuan CEO stehen nebeneinander. Foto: dpa

DÜSSELDORF Im China-Geschäft ist Eginhard Vietz ein alter Hase. Schon vor 25 Jahren war der Chef der Vietz Pipeline Equipment aus Hannover im Reich der Mitte aktiv. Doch wie so mancher fiel auch er kräftig auf die Nase. Ein Joint Venture mit dem Staatsbetrieb CNPC schien zum Geschäft seines Lebens zu werden. Es kam anders: Am Ende bauten die Chinesen nicht nur seine unpatentierten Pipeline-Schweißfahrzeuge nach, sondern kopierten unverblümt die gesamte Fabrik, die kurz vorher aus der Kooperation entstanden war.

Dort werden bis dato konkurrenzlos billige Plagiate produziert. Vietz schäumt: „In China wird von Staats wegen jedes Mittel unterstützt, um schnell zu Know-how zu gelangen.“ Er musste den Fälschern das Feld überlassen. Schaden: sechs Millionen Euro.

Autos im Bildvergleich: Deutsches Original oder chinesische Kopie?

Vietz steht nicht alleine da: Weniger als die Hälfte der von Produkt- und Markenpiraterie betroffenen deutschen Firmen hat sich in China um Patente, Marken, Geschmacks- oder Gebrauchsmuster gekümmert. Das ergab eine Umfrage unter 650 Mitgliedsunternehmen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Doch damit sinken die Chancen, gegen Plagiatoren vorzugehen, auf null.

Auch Vietz, der noch mit drei Mitarbeitern in China vertreten ist, hat dazugelernt: „Für komplette Systeme und Innovationen ist umfangreicher Patentschutz unabdingbar.“ So wie für seine neue Laserschweiß-Technik, durch die sich die Bauzeit von Pipelines auf ein Fünftel reduzieren lässt. Die Kosten dafür scheut er nicht mehr: 250 000 bis 300 000 Euro wird er für international wasserdichte Schutzrechte hinblättern.

Doch selbst wer Marken und geistiges Eigentum ordnungsgemäß anmeldet, ist vor Plagiaten nicht sicher. Das zeigen allein die verblüffend ähnliche chinesische Nachbauten vom BMW X5, dem Smart oder Mercedes. Die Folge: In manchen Firmen grassiert eine regelrechte Angst vor der Patentanmeldung – für sie die „Lizenz zum Abkupfern“.

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