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09.07.2008 
Ad Hoc

Die Rückkehr der Lehmschicht

von Bert Fröndhoff

Sind Sie Chef? Klagen Sie zumindest innerlich über hohe Arbeitsbelastung? Bei zwei leisen "Jaaah" als Antwort sind Sie Opfer eines Trends, der sich mit "Das ist eindeutig Chefsache" umschreiben lässt.

Dieser Satz kommt vornehmlich aus dem Mund von Beratern und Managementgurus, und wer sich auf Managementkongressen tummelt, mag es kaum noch hören. Egal, um welche "neue", unverzichtbare, entscheidende Aufgabe im Unternehmen es geht: Immer muss sie ganz oben angesiedelt sein, wenn es funktionieren soll.

Preismanagement? Chefsache. Heranziehen neuer Talente für die Führungsetage, neudeutsch "Talent Management"? Klare Chefsache. Die Integration zugekaufter Unternehmen: Erfolg hängt davon ab, ob das Chefsache ist. Den eigenen Laden zur attraktiven Marke als Arbeitgeber machen, neudeutsch "Employer Branding"? Eindeutig Chefsache.

Da fragt man sich, was Chefs noch so alles auf ihren Schultern tragen können und wie breit die dann sein müssen. Wer Böses denkt, der prophezeit, dass die Berater und Managementgurus anschließend auf ebendiese Schultern klopfen und sagen: "Keine Angst, wir sind ja auch noch da." So läuft ihr Geschäft.

Wer Gutes denkt, sagt: selber Schuld! Denn was soll die Konsequenz sonst sein, wenn alle Unternehmen ihre sogenannte Lehmschicht entfernen, also das mittlere Management ausdünnen, so, wie es Siemens vorhat. Es bleiben außer den Chefs ja nicht mehr viele übrig. Das wird so lange gutgehen, bis deren Last zu groß wird. Dann steht der nächste Trend vor der Tür: die Rückkehr der Lehmschicht.

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