Aber auch in konservativen Branchen keimt die Gewissheit, dass ein verbissenes Gegeneinander auf Dauer kaum von Erfolg gekrönt sein dürfte. „Strategische Allianzen zu pflegen gilt auch zunehmend im Finanzsektor als Wettbewerbsvorteil“, beobachtet Berater Rainer Mehl. So lassen die Deutsche Bank und die Dresdner Bank ihren gesamten Zahlungsverkehr inzwischen über die mächtig gewachsene Postbank abwickeln.
Den Geist der Zeit erkannt haben auch die direkten Konkurrenten SAP und Microsoft. Im Sommer kommt die erste gemeinsam entwickelte Software Mendocino auf den Markt. Damit können Anwender etwa über das E-Mail-Programm Outlook auf Daten in SAP zugreifen. „Wir nehmen die größten Applikationen im Markt und verbinden die Erfahrungen“, beschreibt SAP-Manager Shai Agassi den Synergieeffekt – und schielt auf etwa 60 Millionen Softwarekunden beider Häuser. Bediener dürfte es freuen, und beide Unternehmen profitieren.
Kompetenzen und Kundenkreise werden gebündelt, um das Geschäft anzukurbeln. Die Devise lautet: Durch Partnerschaften neue Märkte erschließen. Es müssen eben nicht immer teure und risikoreiche Übernahmen sein. Microsoft und SAP etwa hatten sich zur Softwarekooperation entschlossen, nachdem der US-Riese 2004 vergeblich versucht hatte, sich Europas größtes Softwarehaus einzuverleiben.
„Die neue Kooperationsfreudigkeit ist das Resultat des Lernens aus vielen gescheiterten Fusionen“, bestätigt Wirtschaftspsychologe Dieter Frey, Professor für Arbeits- und Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die Übernahme eines Konkurrenten ist nicht – wie noch vor einiger Zeit naiv geglaubt – automatisch von Erfolg gekrönt. Sondern sie ist mit extremen Problemen verbunden.“ Auch die Suche nach Partnern sei von der Angst diktiert, vom anderen übernommen zu werden, meint Frey. „Eine Kooperationsstrategie ist quasi eine Vorwärtsstrategie.“
Strategische Kooperationen sind flexibler als Zusammenschlüsse: Partner können die eigene Identität wahren, sich aufs Kerngeschäft konzentrieren und müssen nicht Kraft auf die Vereinigung zweier Firmen verwenden. „Schließlich kann man eine Kooperation schnell wieder auflösen, wenn sie nicht funktioniert. Bei Fusionen ist das schwieriger“, betont der Münchner Wirtschaftspsychologe.
Partnerschaften sind nicht automatisch Liebesbeziehungen. Sie entstehen vielmehr aus dem Zwang der Notwendigkeit. „Unternehmenslenker haben heute kaum eine andere Wahl, um neue Märkte zu erschließen. Kreative Ideen sind gefragt, und mit Hilfe von Partnerschaften entstehen Vorteile für beide“, unterstreicht Kajus Rottok, geschäftsführender Partner bei der Unternehmungsberatung Ray & Berndtson. „Es kommt darauf an, schnell Märkte zu besetzen. Einzelkämpfer sind dabei oft nicht fix genug – trotz großer Investitionen.“
