Disziplin, Ausdauer, Biss und die Fähigkeit, nach Niederlagen weiterzumachen, sind Eigenschaften von Top-Sportlern – genau so wie von Top-Managern. Schon zwischen den sportlichen Erfolgen von Studenten und ihrer beruflichen Zielstrebigkeit gibt es einen Zusammenhang. Angelsächsische Personalchefs wissen das längst.
„Durch den Leistungssport lernt man Fair Play und Charakterstärke, was beides im Wirtschaftsleben wichtig ist.“ Foto: dpa
DÜSSELDORF. Siemens-Chef Peter Löscher brachte es als Sportler bis zum Kapitän der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft. Damals, als er in Wien Wirtschaft studierte. Und nicht nur er kann auf sportliche Erfolge verweisen: Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber spielte als Student in der Bundesliga Wasserball. Genauso Heiner Kamps, Gründer der gleichnamigen Bäckereikette und Besitzer der Fischrestaurant-Kette Nordsee. Hans-Jörg Seeberger, Vorstandschef des Luxusgüterkonzerns Egana Goldpfeil, schaffte es als Karate-Sportler bis in die Nationalmannschaft. Stefan Pichler, Chef des Touristikunternehmens Thomas Cook, war als Mittelstreckenläufer im Team der deutschen Nationalmannschaft.
Alles Zufälle? Kaum. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen den sportlichen Erfolgen eines Studenten und seiner beruflichen Zielstrebigkeit“, urteilt Führungskräftevermittler und Wirtschaftspsychologe Hellmut Meinhof von der ZAV der Bundesagentur für Arbeit. „Ehemalige Spitzensportler stechen aus der Masse der Bewerber heraus“, so Meinhof. Auch Personalchefs interessieren sich heute für sportliche Siege und Trophäen von Bewerbern, weiß er. Denn: „Spitzensportler haben die Leistungsmotivation verinnerlicht“, berichtet Meinhof. „Sie wollen immer alles herausholen und haben das Ziel vor Augen.“ Disziplin, Ausdauer, Biss und die Fähigkeit, nach Niederlagen weiterzumachen, sind Eigenschaften von Top-Sportlern – genau so wie von Top-Managern. Auch Headhunter Ernst Heilgenthal von Gemini Executive Search weiß: „Besonders, wenn jemand Mannschaftssportler war, ist das für Arbeitgeber ein gutes Indiz. Zum Beispiel wenn derjenige Teams leiten soll.“
Spitzensportler müssen sich einiges abverlangen: „Es war eine ziemliche Belastung, neben der Uni vier-, fünfmal in der Woche zu trainieren“, erinnert sich Stefan Glänzer, Ex-Hockeyspieler der deutschen Nationalmannschaft, Gründer des Internetauktionshauses Ricardo und Vorstandschef des Weblog-Dienstes Myblog. „Ich musste den Großteil meiner Freizeit dem Hockey unterordnen.“ Heilgenthals Urteil: „Das beweist die Leistungsbereitschaft eines Kandidaten. So jemand musste zusätzlich zum Studium nochmal ran, wenn andere Feierabend machten.“
Auch Heiner Finkbeiner, Inhaber des vielfach preisgekrönten Hotels Traube-Tonbach in Baiersbronn brachte es bis zum Deutschen Jugendmeister im Skispringen: „Sicher hat mich der intensive Leistungssport in meinen jungen Jahren tief geprägt – die Art, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, mit Niederlagen und Erfolgen umzugehen. Und vielleicht als Wichtigstes Selbstmotivation und Durchhaltevermögen.“ Und was Finkbeiner noch wichtig findet: „Auch das Geschäftsleben dann sportlich und mit Fairness anzugehen.“
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