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23.01.2008 
Prozess

Ehemalige WestLB-Vorstände räumen Fehler ein

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera hat ein einstiges Vorstandsmitglied das Gericht auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen. So hätten die Antragsteller für den umstrittenen Boxclever-Kredit es abgelehnt, wie sonst üblich für die Richtigkeit der von ihnen gelieferten Daten zu garantieren.

HB DÜSSELDORF. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das Geschäft gestoppt", sagte der damalige WestLB-Vorstand Hans Henning Offen am Mittwoch im Zeugenstand des Düsseldorfer Landgerichts. Von diesem "essenziellen Punkt" habe er aber bei seiner Zustimmung zum Kredit nicht gewusst. "Das stand in der Kreditvorlage nicht drin."

Ob Sengera von der fehlenden Garantie für die Zahlen gewusst habe, könne er nicht sagen, berichtete der Banker. Offen und der damalige Vorstandskollege Johannes Ringel räumten auch Fehler in den Protokollen ein, die die Vorstandsbeschlüsse des desaströsen Kreditgeschäfts dokumentierten. So sei die Bedingung einer genauen Prüfung der Bücher im entscheidenden Vorstandsbeschluss vom 14. Dezember 1999 nicht erwähnt. Dies sei aber folgenlos geblieben, die Bücher seien selbstverständlich geprüft worden. Negativ abweichende Zahlen hätten dabei nach wie vor zum Platzen des Geschäfts führen können.

Aufgrund der Bedenken des zentralen Kreditmanagements sei das Geschäft nochmals geprüft worden - die Zahlen hätten dabei etwas besser ausgesehen als vorher, sagten Ringel und Offen. Deswegen sei der Kredit schließlich in voller Höhe gebilligt worden, allerdings mit Auflagen.

Ex-Vorstand Offen deutete an, dass schwere Managementfehler zur Insolvenz Boxclevers geführt hätten. Bis 1999 seien die Zahlen in Ordnung gewesen. Nach der Insolvenz und der Übernahme durch Finanzinvestoren laufe das Geschäft inzwischen wieder.

Der Markt sei zwar rückläufig gewesen, doch mit Hilfe von "Stress- Tests" habe man sich vergewissert, dass der Kredit auch bei einem noch stärkeren Schrumpfen des Marktes zurückgezahlt werden könnte, sagte Ringel. Der Markt hätte sich schlechter entwickeln, die erhofften Synergien geringer ausfallen und die Zinsen hätten steigen können - der Kredit wäre trotzdem sicher gewesen. "Kein Mensch konnte absehen, zu welchen Entwicklungen es zwei bis drei Jahre später kommen würde", sagte Ringel. "Wir hatten das gesamte Unternehmen als Sicherheit und hätten den Kredit ohne ein einziges Neugeschäft zurückbekommen."

Der Kredit sei zwar hoch gewesen, in den Büchern der WestLB hätten sich damals aber rund 20 Geschäfte ähnlicher Größe befunden. Der Vorstand habe sich auch in anderen Fällen über ein negatives Votum des zentralen Kreditmanagements hinweggesetzt. So sei etwa die Finanzierung des Formel 1-Rennsport-Geschäfts dennoch "blendend gelaufen".

Sengera soll laut Anklage als damals zuständiger Vorstand für den 1,35-Milliarden-Euro-Kredit an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever verantwortlich sein. Als Boxclever Insolvenz anmelden musste, entstand der WestLB nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von mindestens 427 Mill. Euro. Weil die Risikoprüfung unzureichend gewesen sei, habe sich Sengera dabei strafbar gemacht. Der Angeklagte hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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