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22.08.2007 
Interaktive Werbeplakate

Eine SMS von Madonna

von Lars Reppesgaard

Wenn es in Zukunft in Ihrer Jackentasche piepst, muss das nicht unbedingt heißen, dass Sie eine SMS von einem Freund empfangen haben. Es könnte auch eine Botschaft der Konzertagentur von Nelly Furtado oder Madonna sein, die von dem Plakat herunterlächelt, an dem Sie gerade vorbeilaufen. Das ist die moderne Art, Laufkundschaft anzusprechen.

Über Konzertplakate könnte man künftig eine Eintrittskarte buchen, etwa für einen Auftritt von Madonna. Foto: dpaLupe

Über Konzertplakate könnte man künftig eine Eintrittskarte buchen, etwa für einen Auftritt von Madonna. Foto: dpa

Auf Außenwerbung spezialisierte Firmen wie Ströer in Köln oder Wall in Berlin experimentieren mit solchen interaktiven Werbeplakaten. Sie sollen helfen, die Botschaften aus den Unternehmen ohne Streuverluste an die mobilen Zielgruppen zu bringen "Gerade junge Leute, die viel unterwegs sind, lassen sich über die klassischen Medien immer schwerer erreichen", weiß Ströer-Geschäftsführer Jan Hardorp. "Wer erfolgreich mit jungen Menschen kommunizieren will, muss sie überraschen und ihnen attraktive Mehrwerte bieten, zum Beispiel über die Vernetzung von Werbebotschaften mit mobilen Inhalten."

Lösungen, um stationäre Plakate mit mobilen Marketingformen wie etwa Werbe-SMS zu verknüpfen, stoßen bei den Unternehmen zunehmend auf Interesse. Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender von Wall, berichtet: "Unser neuestes Highlight ist ein festes Netz von 58-Bluetooth-Sendern an den besten Standorten in Berlin." Die Werbetafeln haben kleine Sender, die erkennen, ob Besitzer eines bluetoothfähigen Handys in der Nähe sind, und sie dann anfunken.

Seit zwei Jahren experimentieren Versandunternehmen wie Quelle und Markenartikler wie Coca-Cola mit dieser kombinierten Form aus Außenwerbung und mobilem Marketing. Auch die Kinokette Cinemaxx in Hamburg testete bereits mit Filmverleihern Bluetooth-Säulen, bei denen Filmfans Tickets direkt am Kinoplakat ordern konnten. Und bei einer Kampagne des Downloadportals mp3.de konnten sich Menschen, die an fünf Teststandorten in Köln von den Plakaten angefunkt wurden, ein Nelly-Furtado-Bild und die neue Single "Say it Right" aufs Handy laden. Die Resonanz auf die interaktiven Plakate war groß: In einer Woche luden sich rund 4 000 Kölner die Angebote herunter - das ist über ein Viertel der 14 200 Handy-Nutzer, die angefunkt wurden - eine Traumquote für Werbetreibende. Hardorp: "Das zeigt, dass sich mobiles Marketing hervorragend in klassische Außenwerbemotive integrieren lässt."

Wall, Ströer und JC Decaux und andere Stadtflächenvermarkter stemmten Anfang dieses Jahres den bislang größten Werbevorstoß mit interaktiven Plakaten: Masterfoods aus Viersen vermarktete mit einer Millionenkampagne Schokoriegel über beleuchtete Glasvitrinen an Bushaltestellen, die Bluetooth-Signale aussendeten. Wer Lust hatte, konnte sich ein Musikstück der New-Wave-Gruppe "New Order" herunterladen. Schon drei Tage später registrierte Masterfoods 10 000 Downloads. Henkel lud zum 100. Jubiläum von Persil via Haltestellenwerbung in Berlin und Düsseldorf dazu ein, den Kampagnen-Titelsong zu empfangen oder mit dem Handy die Persil-Homepage anzusteuern. "Das Plakat ist ein erster Impuls, um mobile Zielgruppen zu erreichen - das Einfallstor, durch das die Kunden in die digitale Welt der Unternehmen geführt werden", so Hardorp. Ideen gibt es genug: Konzert- oder Kinoplakate, über die man direkt eine Eintrittskarte buchen kann, bis hin zur Autoreklame, die automatisch Probefahrten beim Händler vereinbart.

Allerdings: "Die Preise für diese Werbeform sind noch immer hoch", moniert Maurice Reimer, Marketingchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz des Klingeltonanbieters Jamba. "Noch lohnt sich diese Werbeform für uns nicht." Jamba bucht etwa TV-Spots nur, wenn sicher ist, dass sich die Kosten durch heruntergeladene Klingeltöne oder Handyspiele amortisieren. Ein Test mit Funkplakaten, die bei einem Popkonzert für Downloadumsatz sorgen sollten, rechnete sich nicht. Reimer: "Für Marken mag diese Werbeform interessanter sein, schließlich kann man so Kundenkontakte generieren und sein Image pflegen."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In vielen Internetforen ist die Resonanz auf die funkenden Plakate nicht allzu positiv.

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