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02.07.2008 
Business-Monitor

Firmen knöpfen sich ihre Kosten vor

von Bert Fröndhoff

Trendwende in Sachen Strategie: für europäische Top-Manager steht nicht mehr länger die Beschleunigung des Wachstums im Vordergrund, sondern die Kostensenkung. Das ist die Erkentnis des aktuellen Handelsblatt Business-Monitor International.

Lupe

DÜSSELDORF. Angesichts wachsender Energiekosten und der unsicheren Konjunkturlage wollen viele europäische Unternehmen ihre Kosten stärker drücken. Vor allem bei den deutschen Firmen rücken Kostensenkungen wieder mehr in den Mittelpunkt der Strategien. Dies signalisiert der Handelsblatt Business-Monitor International, eine Umfrage unter europaweit 1 170 Top-Managern.

401 davon kamen aus Deutschland. Sie wurden im Juni vom Marktforschungsinstitut Psephos nach den Schwerpunkten ihrer Firmenstrategien für die kommenden zwölf Monate befragt. Die Umfrage wurde vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis zeigt eine Trendwende: Im Juni vergangenen Jahres gaben noch 49 Prozent der deutschen Manager an, für sie habe die Beschleunigung des Wachstums Priorität. Dies sagten in diesem Jahr nur noch 36 Prozent – die Manager werden also etwas vorsichtiger. Kostensenkung steht in nächster Zeit bei 31 Prozent der Firmen im Vordergrund, im vorigen Jahr gaben dies nur 25 Prozent der Befragten an. Für ein Drittel haben beide Strategien gleiches Gewicht. Auch dieser Wert ist im Vergleich zu 2007 gestiegen.

Kosten wieder mehr im Blick

Experten rechnen damit, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten wieder stärker umbauen werden, um die Kosten im Griff zu behalten. „Wir werden eine Renaissance der Restrukturierung erleben“, sagt Juan Rigall, Geschäftsführer von Droege & Comp. Die Gründe sind aus seiner Sicht die deftigen Preiserhöhungen bei den Rohstoffen und die Dollar-Schwäche. „Viele Firmen richten sich darauf ein, dass dies keine schnell vorübergehenden Phänomene sind“, sagt Rigall. Der Druck auf die Rendite bleibe hoch.

Die wachsende Vorsicht zeigt sich nicht nur in den Antworten der deutschen Manager. Neben ihnen wurden im Business-Monitor Führungskräfte aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz befragt. Vor allem die Manager aus den beiden letztgenannten Ländern wollen Kostensenkungen nun wesentlich stärker ins Visier nehmen.

Aktuelles Beispiel für dieses Vorgehen ist Siemens. Der Konzern hat vergangene Woche den Abbau von mehr als 17 000 Stellen weltweit angekündigt, ohne Details zu nennen. Der Konzern müsse wettbewerbsfähiger werden, schrieb Konzernchef Peter Löscher in einem Brief an die Mitarbeiter. „Das ist gerade jetzt umso wichtiger, als auch die Risiken für die Weltwirtschaft durch hohe Rohstoff- und Energiepreise und die Finanzmarktkrise in den USA größer geworden sind.“

Besonderen Fokus auf Kostensenkungen legen derzeit in Deutschland die Branchen Automobil, Energie, Maschinenbau und Bau, zeigt die Umfrage. In der Pharmaindustrie hingehen steht die Beschleunigung des Wachstums im Vordergrund.

Experten erwarten allerdings nicht, dass es bei der anstehenden Restrukturierung vorwiegend um einen weiteren personellen Kahlschlag in den Firmen geht. Die Themen sind stattdessen: Verbesserung des weltweiten Einkaufs von Rohstoffen, Ersatz bisher verwendeter Rohstoffe und Veränderung der Wertschöpfungsstruktur. Um diese Ziele zu erreichen, würden Unternehmen auch wieder verstärkt auf Übernahmen und Partnerschaften mit anderen Firmen setzen, erwartet Rigall.

Diesen Trend signalisiert der Handelsblatt Business-Monitor International sehr deutlich. Übernahmen und Fusion gehören für 37 Prozent der befragten deutschen Top-Manager zu den wichtigsten Mitteln für stärkeres Wachstum. Der Wert lag deutlich höher als bei der Befragung im Juni 2007, als 28 Prozent der Befragten Mergers & Acquisitions (M&A) als wichtigste Wachstumsstrategie einstuften. Auch die Bereitschaft zu mehr Partnerschaften und Allianzen ist deutlich gestiegen.

Ein Grund dafür ist, dass Schnelligkeit gefragt ist, wenn Unternehmen neue Märkte und Regionen erobert wollen. Die Kassen vieler Firmen sind nach mehreren gewinnträchtigen Jahren gut gefüllt, zugleich sinken die Übernahmepreise – unter anderem, weil sich die Private-Equity-Fonds zurückhalten. Übernahmewillig zeigten sich in der Umfrage die Branchen Telekommunikation und Medien, Pharma, Energie und Automobil.

Die Richtung der Expansion ist eindeutig. Wie der Business-Monitor zeigt, steht für die deutschen Unternehmen der Ausbau der Position im Ausland im Vordergrund. Der attraktivste Weg für schnelleres Wachstum ist aus Sicht der meisten europäischen Top-Manager aber nicht M&A, sondern sind mehr Produkt- und Serviceinnovationen (siehe Grafik).

Ob die Strategie gut gewählt und formuliert ist, entscheidet aber letztlich nicht über den Erfolg. Offensichtlich haben europäische Unternehmen noch immer große Probleme dabei, ihre Strategien umzusetzen. Seit vielen Jahren basteln sie an den sogenannten strategiefokussierten Organisationen, verschlanken ihre Verwaltung, bauen Vertrieb und Personalmanagement aus.

Doch die Ernte dieser Arbeit ist aus Sicht der Top-Manager noch nicht groß. Sie sehen Schwerfälligkeit der eigenen Organisation weiterhin als starke Bremse für Wachstum. „Die Veränderung der Organisation ist zwar schwierig. Doch wird das Thema in den Führungsetagen noch immer stiefmütterlich behandelt“, beobachtet Berater Rigall. 22 Prozent der befragten deutschen Manager bezeichnen ihre Firmen als schwerfällig, in Italien lag der Wert bei 36 Prozent. Als weitere Wachstumsbremsen stufen die deutschen Manager die mangelnde Qualifikation der Führungs- und Fachkräfte sowie die mangelnde Kundenorientierung ein.

Handelsblatt Business-Monitor

Umfrage Der Handelsblatt Business-Monitor, eine Befragung deutscher Spitzenmanager im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp, wird zweimal jährlich durch eine Umfrage unter Führungskräften in Großbritannien, Frankreich, Italien, der Schweiz und Österreich ausgedehnt.

Ergebnisse Für den aktuellen internationalen Business-Monitor hat das Hamburger Meinungsforschungsinstitut Psephos in Deutschland 401 Führungskräfte von Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten telefonisch in der Zeit vom 5. bis 25. Juni befragt. Für den internationalen Teil interviewte die Innofact AG 250 Manager in Großbritannien, 207 in Frankreich, 153 in Italien sowie 103 in der Schweiz. Für Österreich wurden in demselben Zeitraum von Marketagent.com 56 Entscheider online befragt.

Dokumentation Zusätzlich zur Berichterstattung im Handelsblatt sind die Umfrageergebnisse in einem Berichts- und Tabellenband detailliert aufgeschlüsselt. Die Ergebnisse des Handelsblatt- Business-Monitors International sind erhältlich unter der Rufnummer 0800 0002056 oder im Internet unter: www.handelsblatt-shop.com

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