Sobald sie in ihren Seminaren Fallbeispiele aus dem Spitzensport heranziehen, schreiben Jenewein und Heidbrink, komme zwar der Einwand, dass solche Befunde nicht auf Unternehmen übertragbar seien. „Die Parallelen wurden dann aber doch immer schnell offenkundig“, argumentieren die Autoren vorsichtig.
Reinhard Sprenger geht viel weiter. Der Bestsellerberater quetscht die Fußballmetapher in seinem neuen Buch „Gut aufgestellt“ hemmungslos aus, noch das kleinste Detail muss als Sinnbild für gute Führungstechnik herhalten. Welche Bedeutung das richtige Team einnimmt, füllt bei Sprenger lediglich ein Kapitel. Dafür destilliert er aus der Beobachtung, dass in Fußballclubs heute Spieler aller Nationalitäten als Legionäre anheuern, eine kurze Abhandlung über den weltweiten „war for talents“.
Dass Trainer die Stammplatzgarantie abschaffen, wird zum Sinnbild für internen Leistungswettbewerb. Sprenger schreibt über das „Spiel ohne Ball“: Der Erste, der aufdeckte, wie langsam der deutsche Fußball noch agiert, sei natürlich Jürgen Klinsmann gewesen. Eben denkt man noch, dass der Vergleich zum verschärften Wettbewerbstempo auf den Weltmärkten trivial sei. Doch Sprenger schlägt den Bogen zum Spieler, der im Vertrauen auf seine Kollegen passen muss, auch wenn er gar nicht sieht, ob dort schon jemand steht. „Wir müssen lernen, dass ,Geschwindigkeit erhöhen’ nichts zu tun hat mit härter oder länger arbeiten“, schreibt Sprenger. „Das Einzige, was schnell macht, ist Vertrauen.“ Es bleibt Sprengers Stärke, dass er – Fan von Rot-Weiss Essen – so viel von dem Sport versteht. Das macht das Buch kurzweilig und interessant. Am Ende steht aber doch mehr über Fußball drin als über Führung.
Wer persönlich wachsen will, dem bietet sich demnächst ein anderer Sport als Projektionsfläche an: Der deutsche Handball-Nationaltrainer Heiner Brand verspricht, „Wege zur Höchstleistung“ aufzuzeigen. Hilfe erhält er von Persönlichkeitstrainer Jörg Löhr, der am Aufstieg der deutschen Handballer zum Weltmeister demonstriert, was Sieger ausmacht. Das Konzept heißt: Lernen von den Besten. Schon bei klassischen Case-Studies hat das seine Grenzen.
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