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13.03.2008 

Normalerweise interessieren sich die Kollegen nicht so sehr für die Strategie- und Managementbücher, die auf meinem Schreibtisch liegen. Doch auf „Das Kamasutra für Manager“ schauen viele – der Titel ist einfach zu verlockend. Und auch ich dachte nach dem Lesen des Buch-Klappentextes, die Lektüre mache Lust auf mehr ...

Das tut sie auch, aber gemeint ist nicht das Naheliegende. Der gebürtige Ceylonese Nury Vittachi hat in diesem Buch indische Weisheiten zusammengetragen, die dem geneigten Manager Anregung für die Unternehmensführung geben sollen. Der Leser muss sich zunächst zwar an die vielen unbekannten Namen gewöhnen, aber das Buch lässt sich insgesamt sehr leicht lesen – was nicht zuletzt das Verdienst des Übersetzers Michael Schmidt sein dürfte.

Natürlich spielen Autor und Verlag mit dem Wort Kamasutra, diesem gut eineinhalbtausend Jahre alten Buch, das viele zu kennen glauben, von dem aber nur diejenigen 20 Prozent bekannt geworden sind, die sich um Sex drehen. Und wir erfahren nebenbei, dass das Original von einem Theologiestudenten stammt, der sogar im Zölibat gelebt haben soll.

Doch nicht nur im Original-Kamasutra, sondern auch in dem Exemplar für Manager geht es um viele andere Dinge. Um Strategien, Führung und um das Gleichgewicht zwischen Tugend, materiellem Besitz und Sinnesfreuden. Und – mit ganz aktuellem Bezug: Es sucht die Antwort auf die Frage, wie man erfolgreich sein kann und trotzdem ethisch handelt.

Wie bei vielen Sachbüchern, die nicht nur Sachliches, sondern Sagenhaftes oder Menschliches zu berichten haben, liegt es sehr an der Stimmung des Lesers, ob er die Lektüre anregend findet oder nicht. Für einen Flug nach Delhi ist das Buch perfekt. Wer nur schnell ans Ziel kommen will, braucht es nicht zu lesen.

Ob Manager oder nicht: Jeder, der in Indien zu tun hat, wird das Land und seine Jahrtausende alte Kultur nach dem Lesen dieses Buches wohl besser verstehen. Und eine Weisheit stimmt in jedem Fall: „Die Welt mag sich in den vergangenen vier Jahrtausenden erheblich verändert haben. Aber der Mensch?“

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Wie Manager sich täuschen lassen.

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