Dass Unternehmenslenker sich für die Naturwissenschaft interessieren, lässt sich alljährlich auf den interdisziplinären Denkerseminaren von Davos, Waldzell oder Aspen beobachten. Ökonomen suchen die Nähe von Physikern und Biologen – vielleicht liegt das am dünnen empirischen Fundament ihrer eigenen Wissenschaft. Ernst Pöppel dürfte schon häufig von neugierigen Wirtschaftsbossen nach seiner Arbeit gefragt worden sein: Schließlich analysiert der Hirnforscher die Grundlagen unseres Denkens und unserer Entscheidungen. Keine schlechte Informationsbasis für jemanden, der andere führen will.
Jetzt hat der Wissenschaftler die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung vor diesem Hintergrund sortiert und aufbereitet: Sein Buch soll eine Arbeitshilfe für Manager sein. Pöppel schlägt einen großen Bogen: Er beginnt bei Einzellern, die in der Lage sind, sich auf der Grundlage von Umgebungsbedingungen und ihres inneren Zustands in eine bestimmte Richtung zu bewegen, wenn es ihnen dort besser ergeht. Das ist das Wesen der Entscheidung, argumentiert der Hirnforscher, auch beim Menschen: Wir sammeln mit unseren begrenzten Sinnen Informationen, unsere Gefühle bestimmen Antrieb und Wucht unseres Handelns.
Kein Wunder, dass Pöppel viel Raum dafür verwendet, diese Rahmenbedingungen zu erklären – und die Frage, wo und wie wir unsere Informationen gewinnen. Dazu erläutert er die verschiedenen Arten von Nervenzellen und ihre Funktionsweise. Er beschreibt, wie Menschen zu Wissen gelangen und darauf zurückgreifen. Entscheidungen fallen auf Grundlage biochemischer Prozesse – und ähneln viel häufiger dem, was aus dem Biologieunterricht als „Pawlowscher Reflex“ bekannt ist und uns nicht eben recht ist. Ein spannendes Sachbuch ist Pöppels Parforceritt durch die Hirnforschung allemal – auch wenn der Bezug zum Wirtschaftsleben schemenhaft bleibt.
