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23.05.2007 
Im Gespräch mit: Dietmar Fink

„Fürstentümer zu Lasten der Kunden“

von Die Fragen stellte Claudia Tödtmann

Den großen Unternehmensberatungen geht es gut. Die Zeiten, als diese noch Mühe hatten, ihre Leute auszulasten, sind vorbei. Doch Professor Dietmar Fink von der FH Bonn-Rhein-Sieg sagt: „Die internationalen Beratungen sind bei ihrer eigenen Organisation wie die Unternehmen, die sie beraten“.

Prof. Dr. Dietmar Fink. Foto: FH Bonn-Rhein-SiegLupe

Prof. Dr. Dietmar Fink. Foto: FH Bonn-Rhein-Sieg

Handelsblatt: Professor Fink, den großen Top-Beratungen geht es gut. Profitieren sie vom Aufschwung?

Dietmar Fink: Ja, viele von ihnen vermelden zweistellige Zuwachsraten. McKinsey zum Beispiel ist um sieben Prozent gewachsen, Booz Allen Hamilton um zwölf Prozent, die Boston Consulting Group um 15 Prozent und Mercer um 16 Prozent. Und auch viele kleinere Beratungen können mit ansehnlichen Wachstumsraten glänzen. Absolut gesehen wird der Abstand zwischen den Kleinen und den Großen allerdings immer größer.

Merkwürdig nur, dass viele Unternehmen sagen, sie reduzierten ihre Ausgaben für Berater. Wer flunkert da?

Keiner, Berater rechnen allerdings internationales Geschäft in ihre Zahlen hinein: etwa wenn deutsche Berater in Dubai arbeiten – für Telekommunikationsfirmen, für Maschinenbauer oder für den Staat Dubai. Das können erhebliche Summen sein. Es gibt Berater, die bis zu 20 Prozent ihres Deutschlandumsatzes im Ausland machen.

Und das ist so richtig verbucht?

Das ist eine komplizierte Frage. Es ist Umsatz, der nicht mit Geschäft und Arbeit in Deutschland generiert wird, aber das Geld fließt ja in deutsche Büros. An dieser Stelle muss man den deutschen Beratern übrigens ein Kompliment machen. Dass so viele deutsche Berater im Ausland so gefragt sind, das ist neu. Früher waren amerikanische Berater in aller Welt unterwegs, heute sind deutsche Berater in den neu entstehenden Märkten sehr begehrt.

Die Globalisierung ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Unternehmensberater?

Ja, aber auch die größte Herausforderung. Einerseits ist es eine Chance in den neu entstehenden Märkten im Osten Europas oder in Asien. Es ist jedoch auch ein Risiko, weil die großen Berater ihre eigenen internationalen Unternehmensstrukturen noch immer nicht dem globalen Geschäft ihrer Kunden angepasst haben. Sie organisieren sich in mittelalterlichen Strukturen mit vielen übermächtigen lokalen Fürstentümern. In eigener Sache sind sie längst nicht so weit wie die internationalen Konzerne, die sie beraten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Woran die Internationalisierung der Beratungen scheitert.

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