Auf diesem Nährboden gedeihen sie prächtig, dubiose Helfer mit dem Sinn für Schlupflöcher. Sie tricksen, sie täuschen. Die Dummen sind die Gläubiger, die noch ihr Geld fordern, wenn der Laden längst ausgeschlachtet und abgewickelt ist. "Vor allen mittelgroße Handwerksbetriebe bedienen sich solcher Firmenbestatter", sagt Michael Pluta.
Aus seiner Kanzlei im 14. Stock eines ovalen Büroturms hat Pluta eine schöne Rundumsicht auf Stuttgart. Hinten die Daimler-Chrysler-Zentrale, vorn im Tal die City. Pluta hat den Überblick - auch im Bestatter-Business. Mitten auf dem ovalen Tisch im Besprechungszimmer steht eine Kiste, randvoll mit Bestatter-Fällen. "Im Jahr bekommen wir mindestens zehn davon", sagt Pluta.
Er gehört zu den Top-Insolvenzverwaltern in Deutschland, ein kräftiger Mann mit vollem grauem Haar, einer, der Erfolg ausstrahlt, dem man glaubt, dass er zupacken kann. Das muss er als Insolvenzverwalter auch. Kräftig und schnell. Denn die Firmenbestatter werden immer dreister.
Je nach Ausgangslage verstehen die sich sogar auf Sonderbestattungen. Wie im Kirgisen-Fall.
Den bekam Michael Pluta im April auf den Tisch. Tatort: eine Stadt im Badischen. Dort hatte Firmenchef Peter K. 400 000 Euro Schulden angehäuft, eigentlich hätte er Insolvenz anmelden müssen. Doch stattdessen teilte er sein Unternehmen einfach auf - "in einen Plus- und einen Minus-Teil", erzählt Pluta.
Die Verlust-Tochter verkaufte K. für zwei Millionen Euro an eine eben erst gegründete tschechische Firma, Geschäftsführer wurde ein Weißrusse. "Der hatte noch nicht einmal eine Arbeitserlaubnis hier."
Der Weißrusse verschmolz beide Unternehmen miteinander. Anschließend ließ Peter K. den Kaufpreis abarbeiten, indem er Arbeitsleistungen der neuen Firma mit den Kaufpreisschulden verrechnete.
Als die Gläubiger schon nicht mehr durchblickten, machte K. seinen letzten Zug: Er ersetzte den Weißrussen durch einen Kirgisen. Der ließ über einen tschechischen Anwalt die Bücher der Firma anfordern - und meldete prompt Insolvenz an. Die Geschäftsunterlagen sind seither verschollen, Michael Pluta hat Strafanzeige erstattet. "Das ist bisher der krasseste Fall", sagt der Insolvenzverwalter. Ausgang offen.
Ob Kirgisien oder Marbella - klar ist: Die Täter kennen sich aus im deutschen Insolvenzdschungel. Und machen sich ihn zu Nutze.
Ihr Lieblingsobjekt: zahlungsunfähige oder überschuldete GmbHs. Deren Geschäftsführer müssen eigentlich binnen drei Wochen beim Amtsgericht Insolvenz anmelden.
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