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23.10.2006 

Doch nichts fürchten die Firmenchefs mehr als das. Denn im Insolvenzverfahren muss nicht nur das Unternehmensvermögen dran glauben, auch privaten Werten geht es an den Kragen. Außerdem droht strafrechtliche Verfolgung, wenn sich herausstellt, dass die Insolvenzanmeldung verschleppt wurde.

Firmeninhaber vor dem Ruin versuchen deshalb oft, noch schnell ihr Vermögen verschwinden zu lassen - bevor der Insolvenzverwalter anrückt und mit ihm die Gläubiger. "In solchen Situationen stoßen die Inhaber dann auf so eine Werbung", sagt Staatsanwalt Frank Erdt.

Zurück nach Gera, zurück zur Marbella-Connection. Erdt zeigt die Kopie einer Annonce. Firmenbestatter Elders und seine Komplizen - darunter war auch ein Anwalt - schalteten solche Anzeigen in renommierten Blättern wie der "Welt", "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "Frankfurter Rundschau" und auch im "Handelsblatt". "GmbH-Konkurs nicht nötig", heißt es da oder: "Bringen Sie Ihre Schäfchen ins Trockene."

Der Staatsanwalt nickt. Sehen Sie, so läuft?s. Es ist heiß in seinem Büro, in wenigen Stunden beginnt in Dortmund das WM-Halbfinale Deutschland gegen Italien. Ein Kollege hat schon das Nationaltrikot an.

Doch Erdt ist im Geiste noch in Spanien. Erst einmal wurden die Alteigentümer beraten, erzählt er. Dafür schickte die Führungsriege um Herbert Elders so genannte "Repräsentanten" vor, die die Bedingungen der Firmenbestattung ausloteten. Nur um die Verträge kümmerten sich die Bosse noch selbst.

War alles geklärt, ging es ab zum Notar. Dort übernahmen Leute wie Karl H. die Firma und wurden Eigentümer und Geschäftsführer.

Strohmänner sind das A und O im Firmenbestatter-Gewerbe. Sie leben meist in Deutschland und halten ihre Adresse geheim oder arbeiten gleich mit falschen Pässen. Als Wohnadressen geben sie Anschriften im Ausland an. Spanien ist sehr beliebt. Sofern sie dort angeblich Büros haben, reduzierte sich das auf ein Postfach.

Oft setzte die Marbella-Bande sogar Obdachlose ein: "Gehen Sie mal in Berlin zum Bahnhof Zoo. Da finden Sie eine Menge Geschäftsführer", sagt Erdt und lacht.

Ein perfekter Trick, um die Gläubiger auszubremsen: Rechnungen oder Mahnungen kommen nicht mehr an. Stellen die Gläubiger ihrerseits Insolvenzanträge für die Pleitefirma, finden Insolvenzverwalter, Steuerprüfer und Polizei nichts - außer Klingelschildern. Auch die Buchführungsunterlagen sind natürlich längst vernichtet.

Für die Alteigentümer ist vor allem das wichtig. Denn ohne Beweise keine Strafverfolgung wegen Insolvenzverschleppung oder Betrug. Die meisten reden sich damit heraus, die Firma doch ganz ordnungsgemäß verkauft zu haben. Und zum Beweis, dass sie auch die Bücher übergeben haben, legen sie ein "Übernahmeprotokoll" vor - ordentlich quittiert vom unauffindbaren Totengräber.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Firmen zu bestatten ist lukrativ

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