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03.01.2008 

Abgesetzt hat sich auch Ulrich Engler, der mit seiner Daytrading-Scheinfirma Private Commercial Office mindestens 5 000 Anleger um 120 bis 160 Mill. Euro erleichtert haben soll. Anlegeranwälte schätzen, dass der tatsächliche Schaden mehr als doppelt so groß ist, da wahrscheinlich ein großer Teil des vor allem in Liechtenstein eingesammelten Geldes Schwarzgeld sei. "Die Betrüger werden immer internationaler", beschreibt DASB-Präsident Nieding den Trend.

Sie agieren aus den USA, von der Schweiz aus, aus Liechtenstein oder - wie der Wertpapierdienstleister Amis - aus Österreich. Dessen Manager wurden kurz vor Weihnachten in einem der größten Wirtschaftsprozesse der Alpenrepublik zu mehrjährigen Haftstrafen wegen schweren Betrugs und Beihilfe dazu verurteilt. Sie hatten zugegeben, jahrelang rund 15 000 Anleger um ihr Geld geprellt zu haben. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Schaden auf rund 62 Mill. Euro. "Das Gros der Anleger kommt aus Deutschland", sagt Medard Fuchsgruber, Wirtschaftsdetektiv und Vorstand des Bundes der Kapitalanleger, "die meisten sind Kleinsparer, die eine sichere Altersvorsorge suchten".

Und die seien häufig überfordert, so die Erfahrung des Münchener Anlegerschutzanwalts Peter Mattil. Ein Paradebeispiel dafür ist die Pleite der Göttinger Gruppe im Juni vergangenen Jahres. Rund 100 000 Anleger hofften auf eine "Securente", ein Steuersparmodell für den kleinen Mann, das sich letztlich als Schneeballsystem entpuppte und die Anleger um ihre Ersparnisse brachte. Dennoch dauerte es fast zehn Jahre, bis amtlich wurde, wovor Anlegerschützer schon lange warnten: Das Geld - rund eine Milliarde Euro - ist weg, ausgegeben für Vorstandsgehälter und Aufsichtsratstantiemen, Sportwagen der Marke Aston Martin oder Bentley und Betriebsfeste mit Starkoch Alfons Schuhbeck.

Tausende Finanzunternehmen tummeln sich auf dem Grauen Kapitalmarkt, kontrolliert werden sie nicht. Schutz vom Gesetzgeber können Anleger nicht erwarten. "Der Graue Markt ist ein deutsches Unicum", kritisiert Anlegeranwalt Mattil. Nirgendwo sonst in Europa gebe es ein derartig unkontrolliertes Segment. Kein Anbieter muss Rechenschaft darüber ablegen, wohin das eingesammelte Geld geht. "Wer eine Aktie für fünf Euro verkaufen will, braucht eine Zulassung als Finanzdienstleister", sagt Mattil, "wer millionenschwere geschlossene Fonds oder anderen Müll auf dem Grauen Kapitalmarkt vertreibt, nicht - das ist Irrsinn", schimpft er.

Auch bei der Prospekthaftung ziehen Kunden den Kürzeren. Denn laut Börsengesetz können Anleger nur auf Schadensersatz klagen, wenn der Inhalt nicht hält, was das Hochglanzpapier verspricht und sie innerhalb von sechs Monaten nach Prospektveröffentlichung Anteile gezeichnet haben. "Viele Grau-Markt-Anbieter lassen einen Prospekt drucken, warten sechs Monate und gehen erst dann auf Kundenfang", sagt der Münchener Anwalt. Einziger Schutz: vom Grauen Markt die Finger lassen.

Doch auch der geregelte Markt hat seine Tücken. Immer noch bangen rund 30 000 Anleger des insolventen Phoenix Kapitaldienst um ihr Geld. Rund 600 Mill. Euro hatten sie dem Optionshändler anvertraut. Der produzierte statt zweistelliger Renditen Scheingeschäfte und ein Schneeballsystem, das letztlich in die Insolvenz führte.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Überblick: Hier lauern Gefahren

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