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22.05.2006 

Doch aller Anfang ist schwer. In einem kleinen staubigen Vorführsaal des Münchner Volksgarten-Theaters hüpfen ein bebrillter Mathematiker, eine hübsche Psycholinguistin und ein schlaksiger Mechatroniker durch den Raum, bis die schwarzen Holzdielen rumoren. Seit einer Stunde läuft der Theaterworkshop des siebten Akademiejahrgangs, und Schauspieltrainer Philipp Jescheck zieht seine ernüchternde Bilanz: "Die wenigsten wissen, wie sie nach außen wirken."

Also wird weiter geübt, bis jeder Teilnehmer ein Gefühl für Stimme und Bewegung, Gestik und Mimik, Stärken und Schwächen besitzt. Auf der Bühne lernen die Führungskräfte der Zukunft ihre Körpersprache stimmig einzusetzen. Im Kameratraining beim Bayerischen Rundfunk verlieren sie die Scheu vor Scheinwerfern und Mikrofon. Sie polieren ihre Manieren beim Etiketteseminar, gründen gemeinsam Modellunternehmen und reden. Über Massenentlassungen und Arbeitsplatzverlagerung, über Hochschulpolitik und Globalisierung. Immer wieder flammen Diskussionen auf. Tag und Nacht.

Viermal vier Wochen lang verbringen sie rund um die Uhr in einem abgeschiedenen Bildungszentrum im tiefsten Oberbayern. "Man kriegt jedes Mal einen Lagerkoller", gesteht Daniela Mattern, die an der Uni Erlangen-Nürnberg Internationale BWL studiert. Die 25-Jährige ist eine typische Teilnehmerin. Einserstudentin, auslandserfahren, engagiert, aufgeschlossen und hochgradig idealistisch.

In São Paolo dirigiert sie einen Stab von 60 Mitarbeitern in einem Entwicklungshilfeprojekt. Ohne Atempause kann sie davon erzählen, wie sie in der Hitze Brasiliens mit Straßenkindern in den Favelas steht. Bis ihr irgendjemand im Eliteprogramm mal ordentlich die Meinung geigte: "Hol doch mal Luft, hör doch mal zu!" Da hätte sie am liebsten alles hingeschmissen, ausgerechnet sie, die sonst immer alles mit Bravour zu Ende bringt.

In solchen Momenten jubelt die Akademieleitung heimlich. Bewusst haben Wirtschaftspsychologe Frey und seine Kollegen solche Charaktere ausgewählt, die mit ihrer Art und ihren Ansichten bei den anderen anecken: Landeier und Stadtkinder, Weltenbummler und Vereinsmeier, Kinder aus Akademikerfamilien und solche vom Bauernhof – je mehr Reibungspunkte, desto besser. Fast wie im echten Leben. Wenn man es nüchtern betrachtet, ist die Bayerische Elite-Akademie für den Führungsnachwuchs nicht mehr als ein großer Feldversuch.

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