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06.06.2007 
Managergehälter

Guter Lohn für viel Druck

von Julia Leendertse

Deutsche Manager verdienen europaweit am besten. Diese guten Gehälter bekommen sie aber keineswegs nachgeworfen. Die Führungskräfte bezahlen kräftig dafür – an Stellen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Der Job geht an die Reserven.

Nur 44 Prozent der Führungskräfte können ihr Arbeitspensum bewältigen. Foto: Archiv

Nur 44 Prozent der Führungskräfte können ihr Arbeitspensum bewältigen. Foto: Archiv

DÜSSELDORF. Nirgendwo verdienen Manager so viel wie in Deutschland. Zumindest innerhalb Europas – das belegt eine Kienbaum-Studie. „Der Geschäftsführer eines Unternehmens mit bis zu 100 Mitarbeitern bekommt in Deutschland im Schnitt 274 000 Euro. Zum Vergleich: 202 000 Euro sind in Großbritannien möglich, in Italien gerade mal 131 000 Euro“, sagt Christian Näser, Vergütungsexperte von Kienbaum. Verglichen wurden Belgien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden und die Schweiz.

Aber: Diese guten Gehälter bekommen deutsche Manager keineswegs nachgeworfen. Sie bezahlen kräftig dafür – jedoch an Stellen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Der Druck, unter dem diese Führungskräfte stehen, ist enorm. 56 Prozent aller Manager sind überlastet, stehen unter so enormem Leistungsstress, dass ihnen sie bereits an die Reserven gehen oder gar körperliche und seelische Erschöpfungssymptome verspüren. Dies zeigt eine Online-Umfrage unter 9 000 Fach- und Führungskräften des Job-Portals Stepstone. Fazit: Nur 44 Prozent können ihr Arbeitspensum bewältigen.

Vor allem aber zeigten Parallelumfragen von Stepstone in anderen Ländern, dass deren Führungskräfte dieses Problem nicht, beziehungsweise nicht im selben Ausmaß haben. Die Deutschen leiden danach am stärksten. In Dänemark kommen 66 Prozent mit ihrem Arbeitspensum bestens klar, in den Niederlanden und Norwegen sagten dies 62 Prozent.

Damit nicht genug: Deutsche Manager haben eine immer unsicherere Position. Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hat gerade wieder erforscht, wie lange Vorstandsvorsitzende in welchem Land im Durchschnitt auf ihrem Chefsessel sitzen bleiben dürfen. Die Zahl von Vorstandschefs, die auf Grund eines Mergers, einer Übernahme oder eines Buy-outs ihren Hut nehmen mussten, ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Booz-Allen-Partner Klaus-Peter Gushurst resümiert: „Die Fluktuationsquote europäischer Vorstandschefs liegt mit 15,4 Prozent auf einem Rekordhoch, sie sind international am meisten gefährdet.“ Die riskanteste Branche ist die Telekommunikationsindustrie, gefolgt von den Energieversorgern und der Gesundheitsbranche. Top-Manager wechseln sogar immer häufiger die Seite. Gushursts Fazit: „Insbesondere Hedge-Fonds sind für Ex-Vorstandschefs eine attraktive Alternative zur Position eines Vorstandsvorsitzenden.“

Und: Kaum gelingt es einer Führungskraft, so schnell den Erfolg vorzuweisen, wie es sich das Unternehmen ausgerechnet hatte – viel schneller ist sie wieder weg vom Fenster. Denn manchmal ist einfach die Zeit zu kurz, um neue Konzepte erfolgreich umzusetzen. Jüngstes Beispiel ist Frank Rheinboldt. Der Vorstandschef des Luxusmodeherstellers Escada war gerade dabei, den Damenmodekonzern neu auszurichten. Doch nun muss Rheinboldt seinen Hut nehmen, weil dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko die Reform zu lange dauerte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Forscher gehen in die USA, Ingenieure in die globalen Industriezentren.“

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