Die Seite der Verteidiger reagierte empört. Die Frage trage nichts zur Sache bei und sei deshalb unzulässig. Auch Sommer wollte sich eine Replik nicht nehmen lassen: "Die Anwort ist natürlich Nein. Und ich halte ihre Frage, gelinde gesagt, für eine Frechheit", sagte Sommer.
Mehrfach fragte Klägeranwalt Tilp, was bei einem Telefonat zwischen Sommer und Voicestream-Chef John Stanton am 15. Juni 2000 besprochen worden sei. "Stanton hat Druck ausüben wollen", sagte Sommer, "um mit der Telekom zu intensiveren Verhandlungen zu kommen." Er dagegen hätte diesen Druck abbauen wollen. Nicht die Telekom, sondern Voicestream habe also auf die Übernahme gedrängt. Tilp hakte nach: Ob denn Sommer bei Stanton angerufen habe, oder Stanton bei Sommer. Doch der Befragte wollte sich auch auf mehrfache Nachfragen nicht erinnern können. "Ich kann nur wiederholen, was ich bereits gesagt habe", reagierte er genervt.
Auch weitere Fragen der Kläger zu seinem Terminkalender blockte Sommer ab: "Ich möchte mich jetzt nicht mit Details auseinandersetzen, mit denen ich mich damals auch nicht auseinandergesetzt habe." Seinem Kontrahenten Tilp hielt er vor, dieser habe "nicht die geringste Ahnung", was zu den Aufgaben eines Vorstandsvorsitzenden in einem solchen Konzern zählt.
Auch sei die Aktie der Telekom nie eine "Volksaktie" gewesen. "Wir wollten damals weder mit den Begriff Volksaktie noch mit den Unternehmen, die am Neuen Markt waren, in einen Topf geworfen werden", sagte Sommer.
Nach Ansicht der Kläger hat die Telekom Informationen über das Voicestream-Geschäft zurückgehalten. In der Öffentlichkeit war die Übernahme für 39,4 Milliarden Euro einen Monat nach dem dritten Börsengang der Telekom bekannt geworden.
Sommer war zur Zeit des dritten Börsengangs im Juni 2000 Telekom-Chef. Damals kostete die Aktie 66,50 Euro beziehungsweise 63,50 Euro für Frühzeichner. Das Wertpapier hatte damals seine beste Zeit schon hinter sich. Nach dem Höchststand von 103,50 Euro am 6. März 2000 ging es stetig bergab, bis auf 8,14 Euro im Juni 2002. Seitdem kam das Papier nicht mehr über 20 Euro hinaus.
