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19.04.2008 

Die Folgen der informationellen Überlast können für den Einzelnen dramatisch sein. Stress, Konzentrationsmangel, Unruhe und Gereiztheit sind häufige Symptome.

Das hat auch Miriam Meckel erlebt. An einem Sommertag wollte die Professorin an der Universität St. Gallen eine Halogenlampe in einem Kölner Lampenladen kaufen. Bevor sie das Geschäft betrat, kam alles auf einmal: der Anruf eines Kollegen mit der Bitte, ein Skript durchzusprechen; die SMS einer Freundin mit der Frage, wo sie denn zum verabredeten Kaffee bleibe; die Mail per Blackberry mit der Erinnerung an eine Telefonkonferenz, an der sie dann auch gewissenhaft, aber widerwillig teilnahm. In der Mittagshitze bei 30 Grad Celsius und dem Einkaufstrubel in der Innenstadt verstand sie kaum ein Wort. Meckel legte auf, ging in den Lampenladen. Als die Verkäuferin ihr sagte, dass sie die Lampe gar nicht führten, platzte Meckel der Kragen: „Schlampe!“

„Ich war zu jener Spezies Mensch mutiert, die angeblich alles gleichzeitig kann“, schreibt Meckel rückblickend in ihrem Buch „Das Glück der Unerreichbarkeit“. Sie war geworden, was sie nie sein wollte: „ein Simultant“. Irgendwann in den zwei Jahren vor dieser Szene im Lampenladen „muss es einen Punkt gegeben haben, den ich selbst nicht bemerkte“.

So geht es vielen. Zuerst beantworten Mitarbeiter E-Mails nur im Büro, später erledigen sie das im Zug oder bereits vor dem Frühstück. Wurde das Firmenhandy früher ab 20 Uhr ausgestellt, bleibt es heute bis Mitternacht an, am Wochenende sowieso.

Der Trend könnte sich verschärfen. Dieses Jahr werden die Datentarife für mobile Flatrates erstmals so billig, dass es sich fast jeder leisten kann, E-Mails, Nachrichtenseiten, Twitter, Videoblogs und YouTube-Clips aufs Handy zu holen. Je mehr Menschen mobile Mails nutzen können, umso mehr wird kommuniziert. Psychologen, Ökonomen und Soziologen warnen allerdings vor den Gefahren des Techno-Stresses:

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wir informieren uns krank.

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