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Menschen sind keine Maschinen. Und so selbstverständlich, wie Computer mehrere Aufgaben scheinbar gleichzeitig erledigen, bleibt uns dieses Talent versagt. Multitasking klappt nicht. Wer es versucht, arbeitet sich sprichwörtlich dumm und dusselig.
Forscher des Center for Cognitive Brain Imaging der Carnegie- Mellon-Universität in Pittsburgh untersuchten 18 Studenten im Kernspintomografen auf ihre Leistungsfähigkeit. Die Teilnehmer sollten sprachliche und visuelle Aufgaben lösen, während sie parallel Sätze vorgelesen bekamen. Ergebnis: Die Gehirnaktivität, die auf die Lösung der visuellen Aufgaben gerichtet war, sank um 29 Prozent. Bei den sprachlichen Aufgaben reduzierte sich die entsprechende Hirnaktivität um 53 Prozent. Auf den Alltag übertragen, bedeutet das: Wer etwa Auto fährt und mit dem Handy telefoniert, blendet rund ein Drittel seines Sichtfelds aus, obendrein verkommt das Projektgespräch mit dem Kollegen zu einer oberflächlichen Faselei. „In einem Augenblick können wir immer nur einen Bewusstseinsinhalt wahrnehmen“, sagt Wissenschaftler Pöppel.
Das Gehirn spielt uns dabei regelmäßig einen Streich. Denn es springt auf jeden äußerlichen Reiz an, egal, ob wichtig oder unwichtig. Was in Urzeiten das Überleben sicherte, wirkt heute kontraproduktiv: Statt einer Gefahr wittern wir heute einen kleinen „Flash“, schreibt der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein in seinem Buch „Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist“. Das Handyklingeln könnte den Anruf eines Freundes ankündigen, das E-Mail-Bimmeln die Nachricht der Geliebten. Der Effekt sei mit dem einer Droge vergleichbar: So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Nikotin oder Kokain auf ähnliche Nervenbahnen wirken.
Um dem zu entkommen, hilft meist nur Disziplin. Beispiel Friedrich-Georg Lischke: Der Kontinentaleuropa-Chef des Getränkesysteme-Herstellers Mars Drinks, einer Tochter des amerikanischen Schokoriegel-Konzerns, setzt auf die Macht der Rituale: Vor zehn Uhr morgens berühren seine Finger keine Tastatur. Stattdessen greift er zu seinem „Moleskine“, dem klassischen Notizbuch aus Papier. „Ich genieße die alte Arbeitsweise“, sagt Lischke. Er könne Ideen skizzieren und Gedanken visuell in Grafiken festhalten. In den vergangenen Jahren sei ihm das immer hilfreicher geworden.
Ab zehn Uhr weiß er, dass er in unregelmäßigen Abständen gestört wird – durch E-Mails, Anrufe, Kollegenfragen. Aber das sei kein Problem, weil er diese Stunden nicht als Konzentrationsphase definiert habe. Der Nachmittag wiederum ist für die Meetings reserviert. Und ab 21 Uhr stellt er Handy und Blackberry grundsätzlich aus.
Für die Kreativität sind solche Ruhephasen enorm wichtig. Jeder braucht sie, um seine vielen Impulse zu klaren Gedanken und Analysen zu verknüpfen. Wenn wir in Deutschland täglich von zehn bis elf Uhr nicht kommunizieren würden, brächte das einen enormen „Innovationsschub“, glaubt etwa Psychologe Pöppel.
Wie wenig Menschen dafür gemacht sind, über ein halbes Dutzend Kanäle gleichzeitig zu kommunizieren, zeigt auch ein etwas bizarr anmutender Vergleich von Forschern des Londoner King’s College. Sie ließen zwei Versuchsgruppen dieselben Aufgaben erledigen. Die eine bekam parallel mehrere E-Mails zugesandt. Die andere Gruppe rauchte Joints vor der Arbeit. Und siehe da: Die Kiffer erzielten deutlich bessere Ergebnisse als die Probanden, die gleichzeitig mit ihren E-Mails beschäftigt waren.
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